Obdachlose tragen in Bratislava die Koffer

Ansichtssache5. Mai 2015, 12:00
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Bratislava/Wien - Die Idee kam mit dem Hinweis einer Kundin, erzählt der Chef Peter Kadlecik: "Der Bahnhof in Bratislava ist sehr schlecht zugänglich, es gibt keinen Lift, die Gänge sind eng". Man suchte nach einer Lösung, die beiden Seiten etwas bringen würde. Mit den Nota Bene Luggage Porters kann das Problem zumindest teilweise behoben werden: "Sie helfen älteren Menschen, Frauen, Eltern mit Kinderwägen oder gebrechlichen Personen mit schwerem Gepäck." Neben dem Koffertragen geben sie aber auch bereitwillig Auskunft und passen auch mal für zehn Minuten auf Ihr Gepäck auf.

Das Projekt, bei dem es um "Menschen ohne Zuhause" (sie übernachten in monatlich gemieteten Wohnheimen) geht, wurde von Proti Prúdu (heißt so viel wie stromaufwärts) ins Leben gerufen, einer NGO, die in der Slowakei obdachlose Zeitungsverkäufer für das Magazin "Nota Bene" beschäftigt.

Die Männer schöpfen Hoffnung aus der Arbeit: "Ich kann meine Schulden begleichen und glaube wieder an eine Zukunft. Ich könnte nochmal von Null beginnen und vielleicht eine Familie gründen", sagt Vlado (27). Der eine blickt wieder hoffnungsvoll in die Zukunft, der andere kann entspannt an den Ruhestand denken: "Ich kann so mit ruhigem Gewissen ohne Schulden in Pension gehen", erzählt Laco (52).

Problem Sozialversicherung

Viele Obdachlose in der Slowakei haben hohe Schulden bei der Sozialversicherung. Mit dem Zeitungsverkauf und als Luggage Porters können diese Männer sie tilgen, die Miete für ein Bett im Wohnheim zahlen, krankenversichert sein und es bleibt ihnen noch etwas übrig. Das Besondere an den Luggage Porters ist dabei, dass die Menschen ohne Zuhause als Gepäckträger nicht auf die Hilfe der anderen angewiesen sind, sondern selbst helfen und so etwas für ihr Selbstbewusstsein tun.

Zukunftsmusik

Die Voraussetzungen um ein Luggage Porter zu werden? Kein Alkoholkonsum und körperliche Fitness. Was in Zukunft noch geplant ist? "Ich hätte gerne ein Projekt, mit dem wir auch Frauen helfen können, die dürfen arbeitsrechtlich nicht so schwer tragen. An so einem Projekt tüfteln wir gerade!", so Peter Kadlecik.

Das Projekt Nota Bene Luggage Porters konnte bei der diesjährigen Sozialmarie den zweiten Platz belegen, der mit 10.000 Euro dotiert ist. (jos, derStandard.at, 05.05.2015)

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