Studie: Weniger Arbeit, mehr Leben

3. Mai 2015, 10:00
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4000 deutsche Arbeitnehmer wurden befragt - viele sind mit der finanziellen Situation unzufrieden

Wie erleben die Berufstätigen in Deutschland Führung? Was ist ihnen wichtiger, Selbstbestimmung oder Sicherheit? Und halten deutsche Arbeitnehmer ihre Tätigkeit eigentlich für sinnvoll? Im Auftrag von Xing fragte das Meinungsforschungsinstitut Statista bei 4000 Arbeitnehmern nach - rechtzeitig zum Tag der Arbeit. Die Studie "Kompass Neue Arbeitswelt" sollte außerdem klären, wie deutsche Arbeitnehmer die Gegenwart ihres Arbeitslebens in Zeiten tiefgreifender Veränderungen beurteilen und wie weit ihr Arbeitsalltag noch von den Idealen des "New Work" entfernt ist. Das Ergebnis: Der Prozess sei in Gang gesetzt, aber es gebe noch viel zu tun, heißt es in der Aussendung zur Studie.

Nette Chefs und Vielfalt im Büro

Für die Zufriedenheit mit der beruflichen Situation eine zentrale Rolle spielen natürlich die Vorgesetzten. Sie bekamen in der Studie durchwegs gute Noten: Pluspunkte sammeln die Chefs vor allem bei der Kommunikation (55 Prozent bewerten diese sehr gut oder gut), in Sachen Unterstützung und Erreichbarkeit (54 Prozent) und beim Thema Wertschätzung (52 Prozent). Bei den Kolleginnen und Kollegen schätzen die Deutschen Vielfalt: Mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet direkt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zusammen - nur neun Prozent sehen darin ein Problem, für den Rest der Befragten ist es eine Bereicherung, mit Kollegen unterschiedlicher Herkunft zusammenzuarbeiten.

Fünf Stunden weniger wären schön

In Puncto Arbeitszeit äußern die Befragten Unzufriedenheit: über die Hälfte der Arbeitnehmer arbeitet mindestens 40 Stunden pro Woche, aber nur 29 Prozent wünschen sich dies auch so. Nach der gewünschten wöchentlichen Arbeitszeit befragt gaben mehr als 70 Prozent eine Stundenanzahl, die unter 40 liegt an - der Großteil möchte 35 bis unter 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Mehr als die Hälfte kann Familie nicht ernähren

Die finanzielle Situation betrachten die befragten Arbeitnehmer differenzierter: Zwar sagt annähernd die Hälfte (46 Prozent), dass sie von ihrem Gehalt gut leben kann und vier von zehn Befragten halten ihr Gehalt für angemessen. Allerdings glaubt nicht einmal jeder Dritte (29 Prozent), vom eigenen Gehalt allein eine Familie ernähren zu können. Bei den Frauen liegt dieser Wert sogar nur bei 16 Prozent. Einen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen halten die Befragten für eher unwahrscheinlich. Auf die Frage, ob sie glauben, dass ihr Arbeitgeber Frauen und Männern das gleiche Gehalt zahlt, sagen nur 15 Prozent, dass Frauen vermutlich geringer entlohnt werden als Männer. Die Hälfte schätzt, dass Männer und Frauen in ihrem Unternehmen gleich viel verdienen, wobei Männer häufiger dieser Meinung sind als Frauen (55 Prozent vs. 42 Prozent).

"Wissensarbeiter" verzichten eher auf Gehalt

Der so genannte "Wissensarbeiter" spiele eine entscheidende Rolle für die Neue Arbeitswelt und die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen, heißt es in der Aussendung zur Studie. Zu dieser Gruppe werden Arbeitnehmer mit akademischem Abschluss, einem überdurchschnittlichen Verdienst (von 3.000 Euro brutto und mehr), die zum Beispiel in der Kreativwirtschaft, aber auch in der höheren Verwaltung oder Wissenschaft arbeiten, gezählt. Dieses Segment sei anspruchsvoller und progressiver als die anderen Befragten, was Arbeitsbedingungen und -organisation angeht.

Beispiel Flexibilität: Während insgesamt 44 % der Arbeitnehmer auf Flexibilität in der Arbeitsgestaltung zugunsten eines höheren Gehalts verzichten würden, käme dies für Wissensarbeiter überhaupt nicht in Frage. Autonomes Arbeiten und eine flexible Gestaltung ihrer Arbeit sind ihnen überdurchschnittlich wichtig, das Sicherheitsbedürfnis im Gegenzug deutlich weniger ausgeprägt.

Anspruchsvolle Mitarbeiter

Auch in Puncto Arbeitsatmosphäre und Erfüllung durch die Arbeit werden Unterschiede deutlich: Zwar sagt insgesamt jeder Dritte, dass eine positive Arbeitsatmosphäre ein niedrigeres Gehalt rechtfertigen würde, die Wissensarbeiter sind jedoch tendenziell stärker dazu bereit, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, wenn die Arbeitsatmosphäre stimmt (39 Prozent vs. 32 Prozent gesamt) beziehungsweise die Arbeit sie ausfüllt (35 Prozent vs. 29 Prozent gesamt). Den Wissensarbeitern ist außerdem überproportional wichtig, dass die Produkte oder Leistungen des Arbeitgebers zum Gemeinwohl beitragen und sie sich mit dem Unternehmen identifizieren können.

Thomas Vollmoeller, CEO von Xing zu diesem Typus: "Wissensarbeiter sind anspruchsvolle Mitarbeiter. Sie sind gleichzeitig von zentraler Bedeutung, was die Innovationsfähigkeit der Unternehmen angeht." Um sie ans Unternehmen zu binden, seien Freiräume, Flexibilität und Atmosphäre wichtig. Um diese Aspekte noch stärker als bisher anbieten zu können, seien auch zeitgemäße politische Rahmenbedingungen erforderlich. "Pointiert gesagt, sind Begriffe wie Normalarbeitsverhältnis, Telearbeit und Bildschirmarbeitsverordnung nicht geeignet, den Erwartungen der Wissensarbeiter gerecht zu werden." (red, derStandard.at, 30.4.2015)

Weitere Informationen und die ausführliche Studie gibt es hier

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