Wahlkampf mit Polohemd und Eistee

Video30. April 2015, 05:30
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Die ÖVP-nahe Liste will den ersten Platz halten. Im Wahlkampf macht sie auf Platzprobleme an den Unis aufmerksam

Wien – Rund 20 Studierende sitzen auf Bierbänken vor der Universität Wien, sie trinken Eistee aus Dosen und lachen. Was wie Chillen vor der Uni aussieht, ist eine Protestveranstaltung. Die Aktionsgemeinschaft (AG) wahlkämpft vor der größten Uni des Landes. Mit einer "Vorlesung" vor dem Gebäude will die Fraktion vor der ÖH-Wahl auf die Platzprobleme an den österreichischen Universitäten aufmerksam machen.

Die AG ist traditionell die stimmenstärkste Fraktion bei ÖH-Wahlen. 2013 haben 27 Prozent der Studierenden die ÖVP-nahe Liste gewählt. Auch heuer will die AG wieder den ersten Platz erreichen.

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Jens Eipper im Video-Interview über sein politisches Vorbild Konrad Adenauer.

Spitzenkandidat Jens Eipper (29) begrüßt die Zuhörer zur Vorlesung vor der Uni Wien. Die meisten sind junge Männer in hellblauen Hemden oder orangefarbenen Polos, auf denen das AG-Logo prangt. Auch drei junge Frauen haben sich dazugesellt. "Wir haben uns eigentlich nur hergesetzt, weil gerade die Vorlesung drinnen aus ist", sagt eine von ihnen. Die angehenden Bildungswissenschaftlerinnen wissen noch nichts über die ÖH-Wahl. "Wir werden uns aber erkundigen, Wählen ist wichtig." Vom Thema der Vorlesung der AG scheinen sie wenig begeistert zu sein. Als Kommunikationsunternehmer Josef Mantl seinen Vortrag zu Start-up-Unternehmen und Selbstständigkeit beginnt, stehen sie auf und gehen.

foto: standard/fischer
Jens Eipper (re.) mit den beiden anderen Spitzenkandidaten Lisa Schwenn (Mitte) und Peter Wiltsche (li.) bei der "Vorlesung" über Start-up-Unternehmen.

"Eure Generation ist doppelt belastet. Ihr seid mit einer schwächelnden Wirtschaft und schlechten Rahmenbedingungen an der Universität konfrontiert", sagt Mantl gerade. Diese Bedingungen will AG-Spitzenkandidat Eipper ändern. "Sich zu beschweren ist eine Sache, aber den Fehler zu erkennen und das Problem anzugehen ist eine andere." Er selbst sei der Typ, der Probleme angehe. Konkret will er das Platzproblem an den Unis mit Winter-, Sommer- und Osterunis, Blockveranstaltungen und Online-Streaming von Vorlesungen lösen. Zudem ist seine Fraktion für ein "faires Zugangsmanagement". Also für Zugangbeschränkungen in überlaufenen Fächern.

foto: standar/fischer
Für potenzielle Wähler gibt es Feuerzeuge.

Zur AG ist Eipper an der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) gekommen. Dort studiert er im Masterstudium Nutztierwissenschaften und Agrar- und Ernährungswissenschaften. Dass die AG der ÖVP nahesteht, stört den Deutschen nicht. "Wir sind parteifrei, und ich bin nicht Mitglied." Er selbst bezeichnet seine politische Einstellung als "irgendwo zwischen konservativ und liberal".

Aktuell ist die AG innerhalb der ÖH in der Opposition. Die ÖH-Arbeit auf Bundesebene kritisiert Eipper. Sie würde sich zu stark um gesellschaftspolitische Themen und zu wenig um die Hochschulen kümmern. Eipper will "alle Studierenden" vertreten, wie er sagt. Das soll gelingen, indem etwa die Beratungszeiten der ÖH ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren konnte die AG trotz ihrer vielen Stimmen nie den ÖH-Vorsitzenden stellen, weil die Exekutive von linken Koalitionen geführt wurde. Eipper hofft trotzdem darauf, dass er der nächste Vorsitzende wird. "Durch die neue Direktwahl wird sich viel verschieben." Für künftige Koalitionen sei er kompromissbereit. (Lisa Kogelnik, derStandard.at, 30.4.2015)

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