Deutscher Kapitulationsbefehl an die Truppen kam in New York unter den Hammer

1. Mai 2015, 10:08
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Telegramm von Karl Dönitz, dem Nachfolger von Adolf Hitler: Rosa Zettel mit historischer Botschaft blieb ohne Käufer

New York - Der "Führer" war tot, Deutschland hatte seine Kapitulation erklärt - jetzt ging es darum, das Ende des Krieges auch tatsächlich auf dem Schlachtfeld sicherzustellen. Am 8. Mai 1945 befahl Karl Dönitz, als Nachfolger von Adolf Hitler das letzte Staatsoberhaupt des "Dritten Reichs", per Telegramm die Einstellung aller Kampfhandlungen. Das Telegramm ist erhalten - fast genau 70 Jahre nach seiner Versendung kam das einzigartige historische Dokument an diesem Mittwoch in New York im Auktionshaus Bonhams unter den Hammer. Käufer fand sich allerdings vorerst keiner.

Den Wert des Dokuments schätzten Experten im Vorfeld auf 20.000 bis 30.000 Dollar. Ein Sprecherin des Auktionshauses sagte nach der erfolglosen Versteigerung, häufig träfen Angebote auch erst nach einer Auktion ein. Viele Käufer weltweit hätten Interesse gezeigt.

Bei dem kostbaren Relikt handelt es sich um ein dünnes rosafarbenes Papier, ein Telegramm-Formular mit der aufgeklebten Telex-Nachricht auf beiden Seiten. Großadmiral Dönitz schickte es von seinem provisorischen Regierungssitz in der Marinebasis Flensburg-Mürwik ab. Adressiert ist es an den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Robert von Greim.

In dem Telegramm informiert Dönitz offiziell über die Kapitulation: "Am 7. Mai 1945 0241 Uhr ist gesamte Kapitulation durch Oberkommando der Wehrmacht fuer alle Streitkraefte zu Lande, zu Wasser und in der Luft an Oberkommando der Alliierten Expeditionsstreitkraefte und gleichzeitig an sowjetisches Oberkommando unterschrieben."

Unvermeidliche Kapitulationserklärung

Der Hitler-Nachfolger erläutert auch knapp die Unvermeidbarkeit der im nordfranzösischen Reims von seinem Beauftragten, Generaloberst Alfred Jodl, unterzeichneten Kapitulationserklärung: "Dies war unvermeidlich um die in kurzer Zeit zu erwartende vollstaendige Vernichtung bestimmter Frontteile zu verhueten und damit noch moeglichst viele Menschen für Deutschland zu retten."

Dönitz ordnet an, dass "mit dem 9. Mai 1945 0100 Uhr deutscher Sommerzeit jede aktive Kampftaetigkeit einzustellen" sei. Die knapp zweitägige Frist bis zum Eintreten der Waffenruhe war das einzige Zugeständnis, das die provisorische Reichsregierung dem US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower hatte abringen können.

Das Telegramm ging am 8. Mai um 22.40 Uhr bei "Robinson 5" ein - nach Angaben des Auktionshauses Bonhams handelt es sich dabei um einen Codenamen für eine Luftwaffenbasis. Das Telegramm wurde später in Greims Aktenkoffer gefunden, als er nahe Prag von US-Soldaten auf der Flucht gefasst wurde. Greim nahm sich in der Gefangenschaft das Leben, Dönitz wurde in Nürnberg zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, büßte die Strafe vollständig ab und verstarb 1980 im Alter von 89 Jahren.

Dokument entging Politik der "verbrannten Erde"

Sein Telegramm verblieb im Besitz des US-Offiziers Max Von Rossum Daum, der Greim verhört hatte, und wird jetzt von einem privaten Sammler aus den USA zum Verkauf angeboten. Nach Angaben des Kurators der Versteigerung, Tom Lamb, handelt es sich um eine absolute Rarität, da die Nazis auch bei Dokumenten eine Politik der "verbrannten Erde" verfolgt hätten. Im Zuge ihrer Niederlage "verbrannten, zerstörten sie jedes Stück Papier, das sie hatten". (APA/red, derStandard.at, 2.5.2015)

  • Karl Dönitz - hier auf der Anklagebank im Nürnberger Prozess 1946 (zweite Reihe links) - befahl am 8. Mai 1945 als letztes Staatsoberhaupt des "Dritten Reichs" per Telegramm die Einstellung aller Kampfhandlungen.
    foto: archiv

    Karl Dönitz - hier auf der Anklagebank im Nürnberger Prozess 1946 (zweite Reihe links) - befahl am 8. Mai 1945 als letztes Staatsoberhaupt des "Dritten Reichs" per Telegramm die Einstellung aller Kampfhandlungen.

  • Das Dokument kam am Mittwoch in New York zur Versteigerung.
    foto: epa/bonhams new york

    Das Dokument kam am Mittwoch in New York zur Versteigerung.

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