Devisenskandal wird für Barclays immer teurer

29. April 2015, 12:48
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Britische Großbank hat 2,9 Mrd. Euro für Strafen zurückgelegt - Rückstellungen drücken Quartalsgewinn um ein Viertel - Neuer Kurs von Vorstandschef Jenkins zahlt sich aus

London - Der Skandal um die Manipulation von Wechselkursen wird für Barclays immer teurer. Die britische Großbank legte weitere 800 Mio. Pfund (1,1 Mrd. Euro) zurück, nachdem sich abzeichnet, dass die Strafe höher ausfällt als noch im März gedacht. Die Rückstellungen dafür summieren sich inzwischen auf 2,05 Mrd. Pfund (2,9 Mrd. Euro).

"Wir arbeiten hart daran, die Beilegung (der Verfahren) zu beschleunigen", sagte Vorstandschef Antony Jenkins am Mittwoch. Weitere 150 Mio. Pfund legte Barclays für den Skandal um den Verkauf unnötiger Kreditausfallversicherungen in Großbritannien zurück, der die Bank bisher 5,4 Mrd. Pfund gekostet hat.

Alle auf einmal

Das drückte den Gewinn vor Steuern im ersten Quartal um ein Viertel auf 1,3 Mrd. Pfund. Ohne die Rückstellungen wäre er um neun Prozent gestiegen - dank eines florierenden Geschäfts im Investmentbanking. Die Barclays-Aktie notierte in London 1,6 Prozent tiefer. Analysten erklärten, die Gewinnentwicklung zeige die Fortschritte, die der von Jenkins angestoßene Umbau der Bank gemacht habe. Die Rückstellung für den Devisenskandal sei aber höher ausgefallen als gedacht.

Barclays war im November ausgeschert, als sich sechs internationale Banken mit den Behörden in Großbritannien und den USA auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt hatten. Die Regulierungsbehörde von New York hatte eine Vereinbarung mit Barclays blockiert. Sie erklärte, eine Einigung mit dem Londoner Institut sei noch im Mai möglich, wenn das Thema einer möglichen Devisen-Manipulation über Computerprogramme zunächst ausgeklammert werde. Andernfalls könnten sich die Verhandlungen noch Monate hinziehen. Barclays ist bemüht, die Vorwürfe mit so vielen Behörden wie möglich gleichzeitig aus der Welt schaffen.

19.000 Stellen gestrichen

Auch bei der Deutschen Bank stehen Vorwürfe wegen der Manipulation von Devisenkursen noch im Raum. Finanzvorstand Stefan Krause hatte am Montag von einer "Inflation von Strafen" gesprochen. Die Strafe der angelsächsischen Behörden für den deutschen Branchenprimus für die Verwicklung in Machenschaften bei der Bestimmung des Libor-Zinssatzes war mit 2,3 Mrd. Euro weit höher ausgefallen als zunächst gedacht.

Jenkins ist seit dem vergangenen Jahr dabei, die Bank neu auszurichten. Der Barclays-Chef hatte sich von dem Ziel verabschiedet, im Investmentbanking mit den großen US-Banken mitzuhalten, und die Streichung von 19.000 Stellen angekündigt. Damit sollen die Renditen gesteigert und die Eigenkapitaldecke dicker werden. Im ersten Quartal lag die Eigenkapitalrendite im Kerngeschäft bei 10,9 Prozent. Getrieben wurde der Gewinn aber von der Investmentbank, die 37 Prozent mehr verdiente als ein Jahr zuvor. Das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden legte um 14 Prozent zu, während die Kosten um sieben Prozent sanken. (APA, 29.4.2015)

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