Osteoporose unter 50: Ursachen der Erkrankung

29. April 2015, 12:47
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Knochenbrüchigkeit ist keine reine Alterserscheinung - eine deutsche Forschungsinitiative klärt biologische Hintergründe

Osteoporose ist keine reine Alterserscheinung, auch viele jüngere Menschen sind von dem krankhaften Verlust an Knochenmasse betroffen. Welche Gründe es für eine früh einsetzende Osteoporose gibt und wie sie zielgerichtet therapiert werden kann, wollen Wissenschaftler des Instituts für Osteologie und Biomechanik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im Forschungsverbund DIMEOs herausfinden.

Schätzungen zufolge leiden rund acht Millionen Menschen in Deutschland an Osteoporose (in Österreich 800.000). Doch die Dunkelziffer ist weit höher. "Gerade jüngere Menschen unter 50 Jahren fallen durchs Raster, weil Osteoporose fälschlicherweise bis heute als Erkrankung des höheren Lebensalters angesehen und bei jüngeren Menschen auch nach einem verdächtigen Knochenbruch häufig nicht diagnostiziert wird", erklärt Michael Amling, Direktor des Instituts für Osteologie und Biomechanik des UKE.

Kompletterneuerung alle sechs Jahre

Wie viele jüngere Menschen unter 50 von dem krankhaften Verlust an Knochenmasse betroffen sind, wissen die Experten nicht. Der Knochen hat die Kapazität, sich zeitlebens alle sechs Jahre vollständig zu erneuern. Gleichwohl reduziert sich die Knochenmasse bei den meisten Menschen etwa ab dem 30. Lebensjahr um circa ein Prozent jährlich.

Dies führt in aller Regel erst in höherem oder hohem Alter zu Komplikationen. Baut sich der Knochen jedoch schneller ab oder wird er gar nicht erst regulär aufgebaut, kann es bereits weit vor dem 50. Lebensjahr zu Frakturen und nachfolgend zu starken Einschränkungen der Lebensqualität kommen.

Ziel des neuen multizentrischen Forschungsverbundes DIMEOs ("Detection and Individualized Management of Early Onset Osteoporosis") ist es, Krankheitsursachen zu entschlüsseln und Strategien zur frühzeitigen Entdeckung, Vorbeugung und Behandlung zu entwickeln. Dafür wollen die Osteologen des UKE im Rahmen einer klinischen Studie 500 Osteoporose-Patienten unter 50 Jahren untersuchen.

Familiäre Osteoporose-Belastung

Neben Knochendichtemessungen und Knochenstrukturanalysen wollen die Ärzte bei den Patienten innerhalb der nächsten fünf Jahre auch Genanalysen via Blutuntersuchung durchführen, denn häufig sind Osteoporose-Erkrankungen in jungen Jahren familiär bedingt.

Ziel der Forscher ist es, spezifische Genmutationen aufzuspüren, die als Auslöser einer frühzeitig einsetzenden Osteoporose in Frage kommen. "Die Erkenntnisse, die wir hoffen daraus zu gewinnen, sind nicht nur für eine individualisierte Therapieoptimierung von entscheidender Bedeutung, sondern könnten auch Ansatzpunkte für neue Medikamente liefern", erläutert Studienleiter Amling.

Auch erhoffen sich die Ärzte grundsätzlich neue Erkenntnisse zur Knochenbiologie. "Denn die genaue Analyse krankheitsverursachender Genveränderungen hilft im Umkehrschluss, die normalen Vorgänge des Knochenstoffwechsels besser zu verstehen", sagt Ralf Oheim, ebenfalls aus dem Institut für Osteologie und Biomechanik.

Nationales Knochenboard

In dem neuen Forschungsnetzwerk DIMEOs sind neben dem UKE, dem größten osteologischen Zentrum Deutschlands, auch die Berliner Charité, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Technische Universität Dresden sowie das Max-Planck-Institut in Potsdam organisiert. Unter der Leitung von Oheim hat sich darüber hinaus ein sogenanntes National Bone Board etabliert.

Dabei handelt es sich um ein Netzwerk verschiedener osteologischer Zentren in Deutschland, in denen seltene Erkrankungen des Skeletts identifiziert, charakterisiert und nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Hilfreich hierbei ist der Aufbau einer bundesweiten Datenbank, in die alle Krankheitsverläufe und Studienbefunde aufgenommen und innerhalb des Forschungsnetzwerks regelmäßig diskutiert und analysiert werden sollen. "Die Datenbank soll Basis sein, angewandte Therapien auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.

Daraus wollen wir dann Behandlungsempfehlungen für bestimmte, insbesondere seltenere genetisch bedingte Formen der Osteoporose ableiten", so Amling. Das National Bone Board soll gleichzeitig Anlaufstelle für Patienten mit seltenen und unklaren Knochenerkrankungen sowie auch deren behandelnde Ärzte sein. (red/idw, 29.4.2015)

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