Multivision trägt das Licht in die Welt

29. April 2015, 12:00
20 Postings

Die Kunsthalle Basel und das Klubhaus St. Pauli in Hamburg stehen vor Erleuchtung aus Oberösterreich

Linz - Begonnen hat alles vor gut 30 Jahren im Pfarrhof von Thalheim bei Wels. Markus Schernhuber veranstaltet dort hobbymäßig aber mit gewünschter Regelmäßigkeit Partys. Vor allem Licht- und Soundtechnik ziehen das Publikum magisch an. Schernhuber steigt, angespornt von nächtlichen Pfarrhof-Erfolgen, in weiterer Folge auch hauptberuflich in die Veranstaltungstechnik-Branche ein.

Über die Jahre nimmt aber dann die Feierlaune ab, der Sound verhallt - doch was am Ende bleibt ist das Licht. Der gebürtige Welser spezialisiert sich auf maßgeschneiderte Lichtlösungen und gründet 2001 in Machtrenk das Lichttechnologie-Unternehmen Multivision LED-Systeme GmbH. Heute erwirtschaftet das erhellende Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern rund drei Millionen Euro Jahresumsatz und ist Marktführer in Österreich.

Multivision ist unter anderem dafür verantwortlich, dass etwa in Linz das Ars Electronica Center seit 2009 nach dem Um- und Ausbau auch zur nächtlicher Stunde nicht zu übersehen ist: Rund 40.000 Leuchtdioden "verpflanzte" Schernhuber erfolgreich in die Außenhaut der Computerkunst-Schmiede. Wichtig sei immer "die Harmonie" zwischen Gebäude und Leuchtmantel. Schernhuber: "Es darf keine Konkurrenz zur Architektur entstehen, bestenfalls unterstreicht das Licht die Form des Gebäudes."

Erleuchtung im Ausland

Doch das eigentliche Geschäft macht das Marchtrenker Unternehmen im Ausland. "Die spektakulären Bauten, die letztlich auch noch eine Lichtfassade bekommen, sind halt in unseren Breiten überschaubar. In Österreich geht es vor allem um spezielle Lichtlösungen im Innen- und Außenbereich - etwa Werbeflächen", erzählt der Techniker im Standard-Gespräch.

International sorgte Multivison zuletzt im arabischen Raum für Erleuchtung. Die Kuwait-Towers in Kuwait-Stadt strahlen seit Jänner in neuem Glanz. Rund 1.450 LEDCOM High Power Washlights, wurden am Boden und direkt an den ehemaligen Wasser-Türmen angebracht und setzen die drei bis zu 180 Meter hohen Beton-Riesen mit speziellen Lichteffekten in Szene.

Denkmalschutz als Herausforderung

Das Highlight des Lichtkonzepts von Multivision sind die zwei riesigen, markanten Kugeln der Türme, die durch ein eigens entwickeltes System zu bespielbaren Videoflächen umfunktioniert wurden. Dazu wurden insgesamt rund 75.000 einzelne LED-Punkte auf einer speziell Metall-Netzkonstruktion angebracht. Jeder dieser Lichtpunkte besteht aus drei LED-Chips. Jeder einzelne Chip kann die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau wiedergeben. Durch diese außergewöhnliche Lichtkonstruktion wird eine sehr hohe Leuchtkraft erreicht und es können Bilder und Videos mit über 16 Millionen Farben dargestellt werden.

Schernhuber: "Die Bedingungen bei diesem Projekt waren schwierig, denn alle originalen Pläne der Türme sind im Irak-Krieg verbrannt. Eine weitere Herausforderung lag dann bei den Montagearbeiten - an den unter Denkmalschutz stehenden Türmen durfte kein einziges Loch gebohrt werden."

Kein Ende der Nacht

Doch Menschen, die dem Dunkel gerne Licht entgegensetzen, ernten mitunter nicht nur Beifall. Mit dem Thema Lichtverschmutzung wird somit auch Markus Schernhuber regelmäßig konfrontiert: "Man muss diese Bedenken natürlich ernst nehmen, aber gerade mit LEDs lässt die Leuchtkraft gut regeln - und die nächtliche Bespielung eines Gebäudes entsprechend reduzieren."

"Es werde Licht" soll daher schon bald das Motto in Hamburg und Basel sein. In Hamburg designt Multivison soeben das "Klubhaus St. Pauli" und in Basel wird der Ausbau der Kunsthalle künftig dank oberösterreichischer Lichttechnik erstrahlen.

Wer übrigens glaubt, dass bei einem Lichtspezialisten auch das Eigenheim leuchtet wie ein Weihnachtsbaum, der irrt zumindest im Fall von Markus Schernhuber: "Daheim will ich es ganz einfach. Keine bunten LED-Schleifen unter dem Sofa, keine speziellen computergesteuerten Beleuchtungssysteme - einfach nur einen Lichtschalter an der Wand. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 29.4.2015)

  • 75.000 LED-Punkte an den ehemaligen Wassertürmen sorgen für mehr Glitzer in Kuwait-Stadt.
    multivison

    75.000 LED-Punkte an den ehemaligen Wassertürmen sorgen für mehr Glitzer in Kuwait-Stadt.

Share if you care.