Proteste in Baltimore: Hunderte trotzten der Ausgangssperre

Video29. April 2015, 16:03
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Polizei setzte Tränengas und Rauchbomben gegen einen Teil der Demonstranten ein

Baltimore (Maryland) - Polizei und Nationalgarde haben in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) in der US-Ostküstenstadt Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre durchgesetzt. Sicherheitskräfte lösten mithilfe von Pfefferspray kleinere Demonstrationen auf. Die Polizei teilte kurz nach Beginn des Ausgehverbots am Dienstagabend auf Twitter mit, dass sie Tränengas gegen eine "aggressive Menge" einsetze.

Die Polizei twittert laufend während des Einsatzes in der Nacht.

Die Ausgangssperre trat am Dienstagabend um 22.00 Uhr (04.00 Uhr MESZ) in Kraft. Sie soll eine Woche lang jeweils bis 05.00 Uhr in der Früh gelten. In der Nacht kam es laut Polizei zu einer Handvoll von Festnahmen. Im Süden der Stadt wurde nach Angaben der Zeitung "Baltimore Sun" mindestens ein Polizist verletzt.

Rund 100 Demonstranten lieferten sich auch nach Beginn der Sperrstunde Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Sie bewarfen Polizisten mit Müll. Ordnungshüter in Schutzausrüstung reagierten mit Pfefferspray und Rauchbomben. Die Polizei sprach über Twitter von "aggressiven Kräften", die sich weigerten, nach Hause zu gehen. Kriminelle hätten an einer Straße vor einer Bibliothek ein Feuer entzündet.

foto: ap/semansky
Bei den Protesten wurden mehrere Personen festgenommen.

In den Morgenstunden patrouillierten schwere Fahrzeuge und Panzerwagen der Sicherheitskräfte durch die weitgehend leeren Straßen. Die Nationalgarde war mit 2.000 Kräften im Einsatz. Die Polizei von Baltimore wurde durch zusätzlich 1.000 Polizisten aus der Region unterstützt. Die Behörden hatten zuvor den Ausnahmezustand verhängt.

foto: apa/epa/john taggart

Krawalle am Montag

Denn am Montag hatten Randalierer Polizeibeamte mit Steinen und Flaschen beworfen sowie 144 Autos und mehrere Gebäude in Brand gesetzt. Offiziellen Angaben zufolge wurden mindestens 20 Polizisten verletzt, es gab 235 Festnahmen. Die Polizei hatte angekündigt, das Ausgehverbot notfalls mit Gewalt durchzusetzen.

Die Krawalle waren nach der Trauerfeier für den 25-jährigen Afroamerikaner Freddie Gray ausgebrochen, der am 19. April, eine Woche nach seiner Festnahme, an schweren Rückenmarksverletzungen gestorben war. Die genauen Umstände sind noch unklar. Auf Videoaufnahmen ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Krankenhaus ins Koma. Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze.

foto: ap/patrick semansky
Ausgangssperre in Baltimore.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Krawalle. Der Gewaltausbruch vom Montag sei nicht zu entschuldigen. Es habe sich nicht um Demonstranten gehandelt, sondern um eine Handvoll Menschen, die wie Kriminelle behandelt werden müssten. "Wenn Einzelne sich Brecheisen besorgen und Türen aufbrechen, um zu plündern, protestieren sie nicht. Sie machen kein Statement. Sie stehlen", sagte er.

Dass es am Dienstagabend ruhiger zuging, wurde darauf zurückgeführt, dass freiwillige Helfer, darunter Geistliche und Aktivisten, sich zwischen Polizei und Demonstranten stellten und zu einem friedlichen Protest aufriefen.

In sozialen Medien war als Beispiel dafür ein Video zu sehen, dass eine schwarze Mutter zeigt, wie sie ihren 16-jährigen Sohn von den Unruhen am Montag wegzerrt. In den sozialen Netzwerken wurde die Frau als "Mutter des Jahres" gelobt.

"Ich war wütend, denn niemand will sein Kind sehen, während es so etwas tut", erzählte sie dem Fernsehsender CBS News. "Ich will nicht, dass mein Sohn der nächste Freddie Gray ist," verteidigte sie ihr grobes Verhalten. (APA/red, derStandard.at, 29.4.2015)

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