Als Sidney Crosby der Polizei in die Hände fiel

28. April 2015, 18:50
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Kanadas Eishockey-Superstar wurde nach seiner Ankunft in Wien ein wenig gejagt, von zwei Uniformierten und von Fans in Zivil

Wien - Polizist müsste man sein, das wäre vielleicht nicht immer, aber manchmal durchaus hilfreich. In Wien-Kagran, in den Katakomben der nach dem früheren Bezirksvorsteher Albert Schultz benannten Eishalle, haben am Dienstag zwei Polizisten abwechselnd geschossen.

Nämlich Fotos. Der eine Polizist drückte ab, der andere Polizist posierte - mit kanadischen Eishockeycracks. Sidney Crosby, Tyler Ennis, Jason Spezza, Claude Giroux - einer nach dem anderen hatte sich auf den Weg von der Eisfläche zur Kabine gemacht, einer nach dem anderen wurde sozusagen angehalten - und abgelichtet. Bald machte das Gerücht die Runde, die beiden Polizisten würden gar nicht Dienst versehen, sondern hätten sich kraft ihrer Uniform Zutritt zum Kabinentrakt verschafft. Sei's drum, Polizisten sind schließlich auch nur Menschen, und was wäre menschlicher, als dem kanadischen Eishockey anzuhängen?

Am Mittwoch (19 Uhr) spielt das Team Canada in der Schultz-Halle und auf ORF Sport Plus gegen Österreich, beide Mannschaften stehen in der Vorbereitung auf die WM (Prag, Ostrau), die am Freitag anhebt. Die jeweiligen Ziele dort könnten unterschiedlicher nicht sein. Österreich würde sich über den Klassenerhalt freuen, für Kanada zählt praktisch nur der Titel. Der Olympiasieger von 2010 und 2014 schickt eine ebenso junge wie starke Truppe nach Prag, so sind etwa die Nummer-1-Drafts von 2010 (Taylor Hall), 2013 (Nathan Mac-Kinnon) und 2014 (Aaron Ekblad) mit dabei, die begehrtesten Newcomer in der National Hockey League (NHL).

Superstar der Truppe ist Sidney Crosby, er landete nach Pittsburghs Playoff-Aus erst am Dienstag in Wien und stieß gleich zum Training. Hernach gab Crosby, bevor er den Polizisten in die Hände fiel, zwei Dutzend Autogramme. Schließlich hatten sich nicht nur uniformierte, sondern auch Fans in Zivil eingefunden.

Einsatz gegen Österreich in den Sternen

Antworten gab Crosby auch. Ja, Kanada sei auf den WM-Titel aus. Dieser würde "Sid the Kid" oder "The Next One", wie Crosby in Anspielung auf Wayne Gretzky ("The Great One") genannt wird, in den Triple-Gold-Club befördern, dem erst 25 Cracks angehören, die WM-Gold, Olympia-Gold und den Stanley Cup gewannen. "Wir müssen uns ans größere Eis gewöhnen", sagte Crosby, schließlich haben die Rinks in der NHL etwas weniger Fläche. Ja, er würde gerne gegen Österreich spielen, "deshalb bin ich hier". Nein, er wisse nicht, ob er spielen werde. "Der Trainer entscheidet." Ja, er kenne die drei NHL-Österreicher. "Vanek hat sehr gute Hände, Grabner hat tollen Speed."

Über Michael Raffl von den Philadelphia Flyers hat Crosby nichts gesagt, vielleicht lernt man sich in Kagran noch näher kennen, vielleicht auch bei der WM, wo Kanada und Österreich ebenfalls aufeinandertreffen. Diese Partie beschließt am 12. Mai die Gruppenphase. Da wird Österreich nach den wohl entscheidenden Duellen mit Frankreich und Deutschland schon wissen, wohin die Reise geht. Und Herr Crosby sollte mit Kanada schon im Viertelfinale stehen. Auch zwei Polizisten aus Wien drücken die Daumen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 29.4.2015)

  • Sidney Crosby hat in Kagran Autogramme gegeben.
    foto: apa/fohringer

    Sidney Crosby hat in Kagran Autogramme gegeben.

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