Robert Lugar: Einst wilder Abgeordneter, jetzt starker Sprücheklopfer

1. Mai 2015, 08:00
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Frank Stronachs Mann im U-Ausschuss fällt nicht nur mit strittigen Theorien auf

Bisher tat sich Robert Lugar in der Causa Hypo vor allem damit hervor, im Nationalrat die einst stimmgewaltige, nun verstummte Maria Fekter zu beflegeln. Weil die ehemalige Finanzministerin, jetzt Kultursprecherin der ÖVP, während der hitzigen Debatten zur Desasterbank Oppositionsrednern mitunter längst den Rücken zudreht, verstieg sich der Abgeordnete des Teams Stronach sogar einmal zu dem Vergleich mit einem "Faultier" - was für ihn prompt einen Ordnungsruf setzte. Seinen deplatzierten Ausritt ins Tierreich nimmt der 44-Jährige aber selbst als nunmehriger Fraktionsleiter im U-Ausschuss nicht zurück - im Gegenteil. Ihn rege halt auf, dass Fekter im Plenum "immer nur dasitzt und blöd schaut", erklärt Lugar, anstatt dass sie das Wort zu Hypo, Heta & Co ergreife. Und im Übrigen sei die ganze Aufregung nicht angebracht, denn das Faultier Sid in Ice Age wäre sogar der Liebling seiner Kinder.

Auch Staatskommissärin verprellt

Bei den Befragungen im U-Ausschuss hat der gelernte Elektroinstallateur auch bereits eine frühere Hypo-Staatskommissärin arg verprellt, indem er sie mehrmals als "politisches Feigenblatt" titulierte - die Folge war erneut eine Abmahnung.

Bevor sich der streitbare Tiroler Frank Stronachs Truppe anschloss, war Lugar schon bei der FPÖ, beim BZÖ sowie parteiloser Mandatar im Parlament. Dass der vom milliardenschweren Austrokanadier doch wieder abmontierte Klubchef nun "Fränks" Mann im U-Ausschuss gibt, hat er sich nicht selbst ausgesucht, wie Lugar zugibt: "Ich habe mich bei dieser Aufgabe nicht vorgedrängt. Es sollte halt jemand sein, der viel Zeit hat."

Raiffeisen im Visier

Weil er sein Engagement in der Wasseraufbereitungsfirma aufgegeben hat, will sich Lugar nun vor allem darauf konzentrieren, was beim Rückkauf der Hypo von den Bayern alles schiefgelaufen ist, denn: Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) sei einst "ohne einen Experten" zur Vertragsunterzeichnung nach München gefahren, da "die Bank um jeden Preis weiterbestehen sollte", weil bei einem Konkurs auch das schwarze Raiffeisen-Imperium ins Wanken geraten wäre.

Wenn Lugar gerade nicht seinen umstrittenen Theorien in der Causa nachgeht, wendet er "alle Zeit für seine Familie" auf. Dort herrscht höchstens im Fernsehen Eiszeit. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 29.4.2015)

Bisher erschienene Porträts der Fraktionsleiter im U-Ausschuss:

Kai Jan Krainer

Gabriele Tamandl

Elmar Podgorschek

Werner Kogler

  • Verärgert bei der Hypo-Aufklärung mit Rhetorik aus der Eiszeit: Lugar
    foto: apa/roland schlager

    Verärgert bei der Hypo-Aufklärung mit Rhetorik aus der Eiszeit: Lugar

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