Raschelnde Folie kann Krampfanfälle bei Katzen auslösen

28. April 2015, 15:23
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Bei manchen Tieren genügt sogar Zungenschnalzen

Washington - Schrille Geräusche können bei Katzen epilepsieähnliche Krampfanfälle auslösen. Auslöser können laut einer neuen Studie das Rascheln von Alufolie oder das Geräusch eines Löffels in einem Keramik-Futternapf sein. Betroffen sind vor allem ältere Tiere.

Die Studie haben britische und US-Veterinäre im Auftrag der Tierschutzorganisation "International Cat Care" durchgeführt. Sie wurde von Berichten zahlreicher Katzenbesitzer - und verblüffter Tierärzte - angestoßen, wonach ihre Katzen bei schrillen Geräuschen in Zuckungen ausbrachen.

"Wir hatten Hunderte Antworten von Menschen in aller Welt, deren Katzen dieses Problem haben", schrieben Mark Lowrie und Laurent Garosi von den Davies Veterinary Specialists in London. Sie haben das Syndrom feline audiogene Reflexkrämpfe (feline audiogenic reflex seizures, FARS) genannt. Für ihre im "Journal of Feline Medicine and Surgery" veröffentlichte Studie untersuchten sie bei 96 Katzen die Art und Dauer der Krämpfe sowie die auslösenden Geräusche.

Sensitive Burma-Katzen

Manche dieser Katzen - wie übrigens auch manche Menschen - erleiden tatsächlich regelmäßig bei gewissen Geräuschen entweder "Absenzen" ohne Krämpfe oder kurze, heftige Muskelzuckungen. Diese gehen häufig generalisierten Konvulsionen voraus, bei welchen die Katzen minutenlang das Bewusstsein verlieren, der Körper sich versteift und unkontrolliert zuckt.

Die meisten Katzen reagierten auf raschelnde Alufolie (82), bei fast ebenso vielen (79) löste ein Löffel, der gegen einen Keramik-Futternapf stößt, einen Anfall aus. Auch raschelnde Plastiksäcke, rasselnde Schlüssel oder das Klappern von Computertastaturen waren häufige Auslöser. Bei 24 Katzen genügte sogar Zungenschnalzen.

Die Forscher fanden das Phänomen sowohl bei Rasse- wie auch Mischlingskatzen. Einzig Burma-Katzen waren etwas häufiger betroffen. Es scheint auch eher ein Problem betagter Katzen im Alter von über 15 Jahren zu sein.

Die Forscher nehmen an, dass die Fähigkeit von Katzen, Töne im Ultraschallbereich zu hören, hinter dem Rätsel steckt. Allerdings stellte sich heraus, dass fast die Hälfte der betroffenen Tiere taub oder schwerhörig war. Früheren Studien zufolge können aber auch nach menschlichen Maßstäben taube Katzen noch bestimmte Frequenzen hören, schreiben die Tierärzte.

Immerhin fanden sie auch Abhilfe: Das für Menschen zugelassene Antiepileptikum Keppra (Levetiracetam) konnte die Krampfanfälle zumeist vollständig beheben. Die Veterinäre arbeiten nun nach eigenen Angaben daran, die genetische Basis der Störung zu entschlüsseln. (APA/sda, 28.4.2015)

  • Krampf.
    foto: ole spata/dpa

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