Prozess um illegales Pay-TV im Wiener Tschecherl

29. April 2015, 05:30
252 Postings

In einem kleinen Lokal in Wien-Ottakring soll unerlaubterweise Sky übertragen worden sein. Die angeklagte Wirtin weist brüsk jede Schuld von sich

Wien – 7.000 Euro soll Elisabeth B. an den Pay-TV-Sender Sky zahlen. Für die Übertragung des Fußballspiels Freiburg gegen Nürnberg in ihrem kleinen Café in Wien-Ottakring. Die resolute 65-jährige Wirtin sieht das aber so was von überhaupt nicht ein, daher muss Richterin Minou Aigner in einem Urheberrechtsverfahren entscheiden.

Nun muss man grundsätzlich sagen, dass das Lokal wohl eher das ist, was gemeinhin Tschecherl genannt wird. Die Grundfläche beträgt 58 Quadratmeter inklusive Küche und WC, Frau B. zahlt sich selbst als Geschäftsführerin rund 800 Euro im Monat.

Auch am 29. März 2014, als ein Sky-Kontrollor inkognito vorbeischaute, war der Publikumsandrang überschaubar. Ein Gast war da, erinnert sich der Zeuge. Sicher ist er sich aber, dass das eingangs erwähnte Match auf einem Monitor zu sehen war. Obwohl das Café keine Lizenz dafür hatte.

Die angeklagte Pensionistin weist jede Schuld von sich. "Ich war nachweislich im Krankenstand. Ich habe ja nicht gewusst, dass da irgendwer den Receiver mitnimmt", sagt sie. Das englische Wort für Empfangsgerät spricht sie übrigens konsequent buchstabengetreu so aus, als ob in der Mitte ein Hühnerprodukt verborgen wäre.

300 Euro für Abo

Privat hatte ihr Lebensgefährte sogar zwei Sky-Anschlüsse. Die wollte er eigentlich kündigen, dies ging aber aufgrund der Fristen nicht. "Als ich im Krankenstand war, hat er den Receiver zwei Tage mit ins Lokal genommen und sich einen Termin mit Sky ausgemacht, hat er mir nachher gesagt." Das Unternehmen wollte 300 Euro monatlich für die Ausstrahlungsrechte, das war ihr zu viel.

Ihr Lebensgefährte bestätigt als Zeuge die Unwissenheit der Angeklagten. Er erklärt Richterin Aigner auch, was nach dem Besuch des Sky-Mannes mit dem Receiver passiert ist: Er borgte ihn dem Aushilfskellner, einem Fußballfan.

Der wiederum ein Geständnis ablegt: Am fraglichen Tag wollte er am Abend das Fußballspiel sehen. Daher habe er das Empfangsgerät von daheim mitgenommen und angesteckt. "Mir war klar, dass man das nicht darf."

Milieustudie aus der Vorstadt

"Das stinkt doch zum Himmel", wirft Sky-Anwalt Wolfgang Schreiner ein. "Die Verantwortung wird immer weitergereicht, und jetzt sind wir beim Sozialhilfeempfänger, bei dem die Kosten nicht eintreibbar sind!" Verteidiger Udo Hansmann hält die Darstellung für glaubwürdig: "Das ist eine Milieustudie aus der Wiener Vorstadt."

Elisabeth B. wird schlussendlich nicht rechtskräftig freigesprochen. Aigner ist der Meinung, dass man der Frau nicht vorwerfen könne, was andere in dem Lokal machen, während sie im Krankenstand ist. (Michael Möseneder, derStandard.at, 28.4.2015)

Share if you care.