Frühe Trennung von Kuh und Kalb führt zu sozial inkompetenten Rindern

1. Mai 2015, 16:14
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Mutter-Kontakt bei der Aufzucht macht Kälber stressresistenter - Experten für Überdenken der Rinder-Aufzucht

Wien - Wie wichtig das Zusammenleben von Nachwuchs und Eltern auch bei Haustieren ist, haben Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer aktuellen Studie nachgewiesen. Es zeigte sich, dass der Kontakt zwischen Mutter und Artgenossen während der Aufzucht Kälber stressresistent macht und sich positiv auf ihr soziales Verhalten in der Herde auswirkt.

Derzeit werden Kälber von Milchkühen üblicherweise wenige Stunden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Sie werden mit Milch oder Milchersatz versorgt. Das sei aus wirtschaftlicher Sicht günstiger als sie bei der Mutter trinken zu lassen, sagte Susanne Waiblinger vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni.

Sie hat gemeinsam mit Kathrin Wagner und deutschen Kollegen 26 Kühe mit unterschiedlichen Aufzuchterfahrungen untersucht. Elf Tiere wurden gleich nach der Geburt von der Mutter getrennt, danach in die Kälbergruppe gebracht und über einen Tränkeautomaten gefüttert. 15 Kälber waren nach der Geburt fünf Tage lang mit der Mutter zusammen, kamen dann in die Kälbergruppe, hatten aber weiterhin - in unterschiedlichem Ausmaß - Kontakt zu ihren Müttern.

Sozial kompetentere Rinder

In einer bereits früher publizierten Teil der Studie zeigten die Wissenschafter, dass mit Müttern aufgewachsene Rinder beim Eintritt in eine Herde eine höhere soziale Kompetenz als mutterlos aufgezogene Artgenossen hatten. "Sie verhalten sich in der Herde sozial angepasst und wissen etwa, wann es sich nicht auszahlt, um die Rangordnung zu streiten", so Waiblinger.

Wurden die Kälber, die mit ihren Müttern aufwuchsen, isoliert, zeigten sie zwar die höchsten Spiegel des Stresshormons Kortisol, ihre Herzfrequenz war jedoch am niedrigsten. Diese Tiere gingen laut der im Fachjournal "Applied Animal Behaviour Science" erschienen Studie auch aktiver mit der Isolationssituation um: sie bewegten sich insgesamt mehr in ihrer Box und erkundeten ihre Umgebung stärker, als mutterlos aufgezogene Rinder.

Für die Wissenschafter deutet dies darauf hin, dass diese Rinder motivierter sind, zur Herde zurückzukehren und Stresssituationen aktiver bewältigen können. Sie fordern daher, vermehrt darüber nachzudenken, "ob ein sozial sehr eingeschränktes frühes Umfeld die ideale Haltungsform darstellt". Einige Landwirte würden bereits muttergebundene Kälberaufzucht betreiben. (APA/red, derStandard.at, 1.5.2015)

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