Rektoren rätseln über Budgetvorgaben für Unis

28. April 2015, 16:35
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Das Wissenschaftsministerium fordert effizienteren Einsatz von 300 Millionen Euro - Die Rektoren sind irritiert

Wien – Heinrich Schmidinger, Chef der Universitätenkonferenz (Uniko) und Rektor der Universität Salzburg ist irritiert. "Ich verhehle nicht, dass bezüglich der genannten Vorschläge bei den Mitgliedern großes Rätselraten geherrscht hat", sagt er. Er bezieht sich dabei auf einen Brief, den das Wissenschaftsministerium an die Universitäten geschickt hat.

In dem Schreiben (siehe Download links) listet das Ministerium Vorschläge zur Effizienzsteigerungen auf. Darunter etwa Maßnahmen, die Personalkosten betreffen. So schlägt das Ministerium vor, dass Überzahlungen an den Grundbezügen des Uni-Personals gesenkt und kollektivvertragliche Regelungen neu verhandelt werden. Auch auf die Option, laufende Pensionskassenbeiträge vorübergehend auszusetzen oder einzuschränken, wird hingewiesen. Infrastruktur könnte gemeinsam mit "gleichartigen Institutionen" genutzt werden und Bibliotheken Doppelbestände abbauen. Zudem sollen die Unis "Blended Learning" - also die Kombination von E-Learning und Vorlesungen an der Hochschule, ausgebaut werden.

Maurer sieht "Frotzelei"

Die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer bezeichnet die Vorschlägen in der Tageszeitung "Die Presse" als "Frotzelei". "Die vorgeschlagenen Maßnahmen führen zu weiteren Einschränkungen des Uni-Betriebs statt zu einer Effizienzsteigerung", sagt sie zum STANDARD. "Beim Personal zu sparen und mehr Lehrveranstaltungen nur mehr übers Internet abzuhalten, ist auch sicher nicht nachhaltig sondern schadet den Unis."

Insgesamt sollen die Unis 300 Millionen Euro ihrer bisherigen Ausgaben einsparen und anderweitig einsetzen. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat schon früher angekündigt, dass die Unis drei Prozent ihrer bisherigen Ausgaben einsparen und anderweitig verwenden müssen. Bis Ende Juni sollen die Unis detailliert Maßnahmen zur Hebung der Effizienz auflisten. Im Gegenzug bekommen die Universitäten von 2016 bis 2018 zusätzlich zu ihrem bisherigen Budget 615 Millionen Euro.

Diese Zusatzmittel müssen allerdings schon jetzt zunehmend zum Füllen von Budgetlöchern herhalten, warnt Rektor Schmidinger. Er macht darauf aufmerksam, dass die Unis bereits jetzt "beachtliche Effizienzgewinne" geleistet hätten. Man laufe Gefahr, dass der Nachweis von Effizienz lediglich auf eine Umschichtung von Mitteln innerhalb der Unis hinauslaufen werde. (APA/koli, derStandard.at, 28.4.2015)

  • Auszüge des Schreibens vom Wissenschaftsministerium an die Universitäten.

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