Prozess: "Mussajew sagte, Alijew habe sie entführt und umgebracht"

28. April 2015, 13:46
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Sholpan Khasenowa berichtet unter Tränen von letzten Kontakt mit ihrem Mann - Auch Verein Tagdyr Thema bei Befragung

Astana/Wien - Am Dienstag ist der Prozess um die Ermordung zweier kasachischer Bankmanager, die der verstorbene Ex-Botschafter Kasachstans in Wien, Rakhat Alijew, veranlasst haben soll, mit der Einvernahme einer der Witwen fortgesetzt worden. Sholpan Khasenowa erfuhr nach eigenen Angaben erstmals aus dem Mund des Angeklagten und Ex-Chef des kasachischen Geheimdienstes KNB, Alnur Mussajew, vom Tod ihres Mannes, sagte sie am Wiener Straflandesgericht.

"Mussajew habe gesagt, dass er nicht daran beteiligt gewesen war, aber dass Alijew sie entführt und umgebracht habe", erzählte die Witwe des 2007 getöteten Nurbank-Managers Aybar Khasenow. Das Treffen gemeinsam mit der Witwe des anderen Opfers, Armangul Kapaewa, fand im Jahr 2009 statt. Sie hätten die Hoffnung geäußert, dass der ehemalige KNB-Vizechef Alijew die Männer am Leben gelassen habe. Darauf soll Mussajewlaut Khasenowa geantwortet haben: "Was wäre er denn für ein KNBler."

Alijew, der ehemalige Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew und Besitzer der Nurbank, war bis zu seinem nicht restlos geklärten, mutmaßlichen Selbstmord in Haft der Hauptangeklagte in dem Verfahren. Der Prozess gemacht wird nun Mussajewsowie Alijews Sicherheitsberater Vadim Kolyak. Ein Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) muss in den nächsten Wochen und Monaten klären, ob die beiden an der inkriminierten Verschleppung, Misandlung und Ermordung der zwei Manager der Nurbank beteiligt waren. Beide betonten bei ihren Einvernahmen ihre Unschuld.

Im "besten Anzug"

Unter Tränen berichtete die Witwe Khasenowa von den letzten Tagen vor dem Verschwinden ihres Mannes im Jahr 2007. Der damalige Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung der Nurbank sei am Tag seines Verschwinden trotz Krankheit in seinem "besten Anzug" in das Büro gefahren, dort sei er - ihres Wissens - zum ersten Mal in "persönlichen Kontakt" mit Alijew getreten. Einen Grund für dieses Treffen habe er nicht genannt. Einen Tag nach seinem Verschwinden habe sie eine Anzeige bei dem Departement für innere Angelegenheiten, beim KNB und später auch bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.

Das nächste Mal hätte sie ihren Mann erst ein paar Tage später über Telefon gehört, erzählte die Witwe Khasenowa. "Ist die Finanzpolizei nach Hause gekommen?", habe er sie gefragt und ihr mitgeteilt, dass er sich vor dieser verstecke. Die Finanzpolizei sei zuvor tatsächlich zu ihrem Haus gekommen, jedoch habe sie unter dem Verweis, dass ihr Mann nicht daheim sei, die Tür nicht geöffnet.

Bei dem letzten Telefonat mit ihrem Mann habe sie auch gemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimme. "Weil er ja zu diesem schrecklichen Mann Alijew gegangen war, er hat mir ja erzählt, dass er ihn treffen würde", antwortete die Witwe Khasenvoa auf die Frage, wie sie zu der Einschätzung gekommen wäre. "Es war ein unausgesprochenes Geheimnis, dass Alijew sehr brutal im Umgang mit anderen Menschen war."

Wiedererkannte Unterwäsche

Im Mai 2011 habe sie dann vom Leichenfund ihres Mannes erfahren, damals sei sie in Wien gewesen, um in der Sache vor die Öffentlichkeit zu treten. Auf dem Rückweg nach Kasachstan sei sie von der Polizei informiert worden. "Ich habe damals gesagt, das ist nicht mein Mann - sie haben mir ja nur Fotos gezeigt. Dann haben sie aber ein Gutachten gemacht." Zudem habe die Polizei ihr Unterwäsche gezeigt: "Ich habe diese Unterwäsche wiedererkannt, zu Hause gab es auch solche."

Gleich zu Beginn beantragte der Verteidiger Koschlyaks, Walter Engeler, ein neues Beweisstück. In einem Schriftstück der opfervertretenden Kanzlei Lanksy, Ganzger und Partner (LGP) aus dem Jahr 2012 sollen die Aussagen der Witwe Timraliyews, Armagul Kapaewa, vom vergangenen Freitag als unwahr entlarvt werden. Darin sei festgehalten worden, dass die beiden Witwen nach dem Verschwinden und dem Tod ihrer Männer finanziell mittelos gewesen seien.

Kapaschewa hatte vergangene Woche beim Prozess ausgesagt, sei habe aus eigenem Vermögen etwa zehn Millionen Euro für die Strafverfolgung Alijews und seiner mutmaßlichen Mittäter ausgegeben. Dafür bediente sie sich des Vereins Tagdyr, der auch aus anderen Quellen Gelder für die juristischen Bemühungen gesammelt haben soll.

Die Witwe Khasenowa sagte hingegen, sie habe kein Geld in den Verein gesteckt, auch hätte sie abgesehen von Pressekonferenzen oder Gesprächen keine öffentliche Funktion. Die Hauptsponsoren seien demnach ehemalige Vorstands-Vorsitzende der Nurbank, Abilmazhen Gilimo und eine weitere Person. (APA, 28.4.2015)

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