EU-Richtlinie wirkt sich auf Gasthermen aus

28. April 2015, 12:18
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Ökodesign-Richtlinie der EU tritt am 26. September in Kraft - Ab dann sollten kaputte Heizwert- gegen Brennwertgeräte getauscht werden

Am 26. September tritt die EU-Ökodesign-Richtlinie in Kraft. Ein knappes halbes Jahr davor machten nun die Wiener Installateure darauf aufmerksam, dass sie gravierende Veränderungen für Installateure und Rauchfangkehrer, aber auch Mieter und Vermieter mit sich bringen wird. Theoretisch. Praktisch ist es nämlich so, dass auch bei dieser Richtlinie wie für so vieles andere gilt: Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. Darauf lassen Aussagen von Wiens Innungsmeister Robert Breitschopf auf einer Pressekonferenz vom Montag schließen.

440.000 Altgeräte in Wien

Breitschopf wies zunächst darauf hin, dass allein in Wien rund 440.000 Kombithermen bzw. "Heizwertgeräte" von der Richtlinie betroffen sein werden. Und zwar dergestalt, dass sie, sobald sie kaputt sind, nur noch gegen ein sogenanntes "Brennwertgerät", das wesentlich energieeffizienter und auch in der Handhabung sicherer ist, getauscht werden sollten.

Wohlgemerkt: Sollten, nicht müssen – denn einerseits wird die EU-Richtlinie im September noch gar nicht in nationales Recht umgesetzt sein, und andererseits gibt es Ausnahmen: "Sobald mehrere Geräte an nur einen Rauchfang angeschlossen sind, können in diesen Mehrfamilienhäusern weiterhin Heizwertgeräte verwendet werden", so Breitschopf. Der Grund: Durch die "Mehrfachbelegung" eines Kamins würde ein Tausch einen zu großen finanziellen und technischen Aufwand bedeuten. Müsse nämlich bei einem Thermentausch auch der gesamte Fang saniert werden, könne sich so eine neue Brennwerttherme leicht auf bis zu 7.000 Euro summieren, so der Innungsmeister. Eine "normale" Heizwerttherme kostet normalerweise nicht mehr als die Hälfte.

Keine Vergiftungen mehr

Wer im Fall des Falles diese Mehrkosten tragen müsste, ist im Übrigen auch nicht so wirklich eindeutig zu sagen. Ob so ein Fang nämlich zu den allgemeinen Teilen eines Hauses gehört, für die auf jeden Fall der Vermieter zuständig ist, sei "nicht ganz klar", sagte Breitschopf. Die Innung erwartet hier jedenfalls Musterprozesse.

Sicher ist: CO-Vergiftungen durch Thermen, wie sie im Hochsommer laufend vorkommen, sind mit Brennwertgeräten kaum noch möglich. Denn diese Geräte arbeiten "raumluftunabhängig", das heißt, sie entnehmen die Verbrennungsluft nicht dem Raum, in dem sie in Betrieb sind. Zehn Prozent aller in Wien installierten Thermen sind nach Angaben vom Montag bereits solche sicheren Geräte.

Mietrecht: Musterprozesse erwartet

In der neuen Thermen-Regelung im Mietrechtsgesetz - der Mieter besorgt die Wartung, der Vermieter Reparatur oder Erneuerung - mag man in der Wiener Installateur-Innung übrigens auch nicht der Weisheit letzten Schluss erkennen. "Im Gesetz wurde nicht genau definiert, was eine Wartung und was eine Reparatur ist", sagt Geschäftsführer Alexander Schrötter. Hier zeichne sich ein großer Graubereich ab; "denn der eine Installateur ist ein 'Tüftler' und kann eine Therme noch reparieren, ein anderer nicht mehr". Man müsse diesbezüglich "auf Urteile warten", sagt Schrötter. Eine Chance für Klarstellungen würden aber auch die technischen Richtlinien für Gas bieten, die derzeit gerade erneuert werden. "Wir hoffen, dass wir da was klarstellen können." (mapu, derStandard.at, 28.4.2015)

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