Klopp will in Bayern Krawall statt Blumen

28. April 2015, 17:20
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Der FC Bayern ist zum 25. Mal deutscher Meister. Gefeiert wurde noch nicht viel. Man will mehr. Zum Beispiel den Cupsieg. Am Dienstag ist Halbfinale. Borussia Dortmund wird ernstgenommen

München - Sonntag, 19.19 Uhr: In einem Fußballstadion fällt ein Schlusspfiff, die Nachrichtenagentur versieht eine Meldung mit acht Großbuchstaben: DRINGEND. In Lokalen, in Wohnzimmern, an Arbeitsplätzen werden Fäuste geballt, Jubelschreie ausgestoßen, Gläser geleert. "Bayern München zum 25. Mal deutscher Fußballmeister", heißt es nach den acht Großbuchstaben.

Die Überraschung freilich hielt sich in Grenzen, nur der Zeitpunkt des Vollzugs war noch offengewesen. Es war der Schlusspfiff des Spiels Mönchengladbach gegen Vfl Wolfsburg, der es amtlich machte. Gladbach gewann 1:0. Wolfsburg, auf Platz zwei in der Tabelle der deutschen Bundesliga, hat 15 Punkte Rückstand bei noch vier zu absolvierenden Runden. Adam Riese sagt: unaufholbar.

Also Anlass zum Feiern beim Fußballklub FC Bayern. Aber die Bayern sind noch nicht fertig, haben noch etwas vor. Die Meisterfeier ist aufgeschoben. Vielleicht kommt zur Meisterfeier noch eine Champions-League-Feier und/ oder eine Cupsiegfeier. Also trank Pep Guardiola, der Trainer des FC Bayern, am Sonntagabend keinen Wein aus Spanien - er mag Rioja -, er schaute Fußball aus dem Ruhrpott. Videoanalyse: Borussia Dortmund.

Dortmund sei "gefährlicher als beim letzten Mal", sagte Guardiola. Das letzte Mal war das Liga- duell in Dortmund am 4. April. Bayern gewann 1:0. Das nächste Mal ist heute in München, Allianz Arena, 20.30 Uhr, Halbfinale, DFB-Pokal.

Bayern - Dortmund, das ist nicht irgendein Fußballspiel, das Duell mutierte in den vergangenen Jahren zu einem Klassiker des deutschen Fußballs. Freilich, Dortmund war in der Meisterschaft in den vergangenen Jahren schon wesentlich erfolgreicher, im Moment belegen die Borussen, nach jüngstem Aufwärtstrend, Platz acht. Chancen auf einen Startplatz in der Europa League (zumindest Rang sechs) bestehen noch. Auf einem kürzeren, wenngleich nicht einfacheren Weg, auch im Pokal.

Also sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: "Wir sind auf Krawall gebürstet und wollen uns nicht mit Blumen weichkochen lassen." Die Bayern-Führung wollte Klopp vor dem Pokalspiel einen Blumenstrauß überreichen - anlässlich dessen Abschieds nach sieben Jahren als BVB-Coach. Klopp lehnte ab. Vielleicht lässt sich Klopp doch noch weichkochen - nicht durch die Blumen, aber durch ein lukratives Angebot. Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sagte am Sonntag bei Sky, dass Klopp bei den Münchnern "auf jeden Fall ein Thema" sei. Noch ist Guardiola da, noch hat er Vertrag, bis Juni 2016. Länger, wird gemutmaßt, wird der Spanier kaum in München bleiben, vielleicht kürzer. Klopp sagt: "Mir ist völlig egal, was über mich geredet wird. Das ist alles völlig unproblematisch."

Klopp wäre nicht der erste Ex-Dortmunder in Bayern. Sportvorstand Matthias Sammer, die Offensivkräfte Mario Götze und Robert Lewandowski haben sich nicht durch Blumen weichkochen lassen. Marco Reus war auch lange Zeit bei den Bayern im Gespräch, er ist ein Dortmunder geblieben, dürfte heute nach überstandenen Adduktorenproblemen wieder in der Startformation stehen. Sein Trainer Klopp sagt, das Spiel betreffend: "Wir müssen eine Topleistung abrufen und mit allen Sinnen am Start sein, dann können wir bestehen."

Wenn Dortmund dann auch noch am 30. Mai in Berlin gegen Arminia Bielefeld oder VfL Wolfsburg besteht, gibt's zum Abschied wenigstens noch einen Grund zum Feiern. Aber der FC Bayern ist nicht genügsam. Ein Triple ließe sich dreimal so gut feiern. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gönnte sich am Sonntag wenigstens ein Glas Rotwein. (sid, rie, DER STANDARD, 28.4.2015)

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