Nur beim Islam hört es sich mit der Toleranz auf

27. April 2015, 16:13
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Homosexualität in der Familie und Dienstleister mit Migrationshintergrund mehrheitlich akzeptiert

Wien - Die Österreicher halten sich selbst für tolerant - ihre Mitbürger allerdings für intolerant. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die das Institut meinungsraum.at im Auftrag des Mauthausen Komitees erstellt hat. Eine weitere Erkenntnis: In punkto Sexualität, Hautfarbe oder Geschlecht ist nach eigenen Angaben tatsächlich eine Mehrheit der Österreicher offen - anders als beim Thema Islam.

"Wenn ich das aus meiner Laufbahn betrachte, traue ich mich definitiv zu sagen: Österreich wird toleranter", zeigte sich Christina Matzka vom Umfrageinstitut am Montag bei einer Pressekonferenz frohgemut. Auf sich selbst bezogen stimmt ihr da die Bevölkerung auch zu, schätzen sich doch 72 Prozent der Befragten als tolerant ein. Zugleich glaubt allerdings eine Mehrheit von 60 Prozent, dass die Landsleute intolerant sind.

Knackpunkt Adoption

Bei der Studie, für die 1.000 Menschen online befragt wurden, gaben jedenfalls 78 Prozent der Befragten an, sich nicht daran zu stören, wenn ein Familienmitglied sich als homosexuell outet. Auch die Frage einer gleichgeschlechtlichen Ehe im Familienkreis wird mit 77 Prozent im lesbischen Fall und mit 71 Prozent im schwulen Fall toleriert. Einzig bei der Frage, ob man sich daran stört, wenn zwei Männer ein Kind adoptieren, fällt mit 59 Prozent die Zustimmung etwas moderater aus. Bei den Männern sind hier die Vorbehalte deutlich größer als bei den Frauen, was auch für die Generation 60 plus in dieser Frage gilt.

Allgemein noch geringer fällt der Widerspruch beim Komplex Rassismus aus. 82 Prozent haben kein Problem mit einem Zahnarzt aus Afrika, 79 Prozent nicht mit einem türkischstämmigen Operateur. Wenn der Gebrauchtwagenverkäufer aus dem arabischen Raum stammt, sinkt die Toleranz dann schon leicht auf 73 Prozent. Eine Frau als Chefin stört "lediglich" zehn Prozent der Befragten, ein Kollege im Rollstuhl wird von 94 Prozent akzeptiert.

64 Prozent gegen Moschee in Nachbarschaft

Beim Themenfeld Islam sieht es hingegen anders aus. 65 Prozent sind gegen den Übertritt eines Familienmitglieds zum Islam, 64 Prozent gegen eine Moschee in der Nachbarschaft. Allerdings würden sich auch 42 Prozent am Bau eines buddhistischen Zentrums um die Ecke stören.

Insgesamt seien die Studienergebnisse jedoch positiv, freute sich Willi Mernyi, Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich: "Je toleranter Menschen sind, desto weniger sind sie empfänglich für autoritäre Handlungsmuster - und umgekehrt." (APA, 27.4.2015)

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