"Assassin's Creed Chronicles: China" im Test: Uninspirierte Meuchelmorde

5. Mai 2015, 09:54
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Die Assassinen-Serie wagt sich ins Sidescroller-Territorium, bietet aber nichts Neues

Ubisoft gewährt abermals einen Blick in die Welt von "Assassin's Creed". Die Reise führt diesmal nicht wie zuletzt mit offener Welt ins Paris der Französischen Revolution, sondern als 2.5D-Sidescroller ins China des Jahres 1526. Das als Teil des Season-Passes für "Assassin's Creed Unity" angekündigte "Assassin's Creed Chronicles: China" ist nur die erste Episode einer Trilogie, deren beiden noch 2015 erscheinenden Nachfolger in Indien und Russland spielen.

Racheplot

Die Handlung folgt der chinesischen Assassinin Shao Jun in einer generischen Rachestory, der kaum in Gedächtnis bleibt. Ein kurzes Wiedersehen gibt es mit Fanliebling Ezio Auditore aus "Assassin's Creed 2", der als Brücke zum restlichen Franchise agiert. Er trainierte Shao Jun im Kurzfilm "Assassin's Creed Embers" und absolviert hier einen Auftritt in Tutorial-Sequenzen. Das Ziel lautet im Wesentlichen wie immer in "Assassin's Creed": Templer töten und ungesehen entkommen. Diese treten als Organisation von Eunuchen auf, die sich "Tiger" nennen. Aus Sidescroller-Ansicht wird durch Höhlen, Häfen und Gefängnisse geschlichen, um Schriftrollen einzusammeln oder Zielpersonen zu liquidieren. Die Gründe für die Missionsziele bleiben meist vage, Spannung baut sich dadurch kaum auf.

bild: ubisoft
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Keine Überraschungen

Das Schleichsystem basiert auf klar definierten Sichtkegeln der Gegner, die von Hindernissen und anderen Gegnern beschnitten werden. Selbst für eine einfache Sidescroller-Mechanik ist es jedoch unglaubwürdig, wenn zwei sich unterhaltende Wachen überhaupt nichts mitbekommen, selbst wenn man direkt hinter ihnen steht. Die patrouillierenden Feinde können mithilfe von Wurfmessern oder kleinen Bomben abgelenkt werden, um unbemerkt an ihnen vorbeizukommen oder sie aus Verstecken wie dunklen Ecken und dichter Vegetation heraus zu töten. Die Mechaniken sind einfach und zweckdienlich, bieten aber nichts Neues, das man in anderen Schleichspielen nicht schon besser gesehen hätte. Gleiches gilt für die offenen Schwertkämpfe bei einer direkten Konfrontation. Die Waffenführung fühlt sich schwammig an, den Schlägen fehlt es an Gewicht.

bild: ubisoft
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Malerische Umgebungen

Das wohl bemerkenswerteste Element von "Assassin's Creed Chronicles: China" ist die von chinesischen Pinselstrichen inspirierte optische Gestaltung. In der Ferne sind grobe Panoramen zu erkennen, Blutfontänen sterbender Feinde wirken wie Farbe auf einem Schüttbild und sogar Elemente wie Flammen oder Fahnen im Wind sehen aus, als seien sie auf einem Pergament entstanden. Die in gedeckten Farbtönen gehaltene Welt entfaltet sich auf mehreren Ebenen, zwischen denen an vordefinierten Stellen gewechselt werden kann. Dadurch wird der Eindruck vermieden, dass die Welt plattgedrückt wurde, um in einen Sidescroller zu passen. Viele alternative Routen zum Ziel werden allerdings nicht angeboten und so bleibt das Spiel meist eine lineare Angelegenheit.

bild: ubisoft
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Fazit:

"Assassin's Creed Chronicles: China" ist kein schlechtes Spiel, lediglich ein uninspiriertes. Die hübschen Hintergründe können nicht von der Tatsache ablenken, dass man es hier mit generischen Mechaniken und einer uninteressanten Handlung zu tun hat. Mit mehr Entwicklungszeit hätte das durchaus reizvolle Konzept sein Potenzial womöglich besser entfalten können. Es bleibt zu hoffen, dass die zwei folgenden Episoden "India" und "Russia" mehr zu bieten haben als nur ein malerisches Grafikgewand. (Lukas Urban, 5.5.2015)

"Assassin's Creed Chronicles: China" ist ab 16 Jahren für Windows-PC über Steam, PlayStation 4 und Xbox One erschienen. UVP: 19,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster zu "Assassin's Creed Chronicles: China" wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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Ubisoft

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