Welche Eigenschaften gute Chefs brauchen

28. April 2015, 05:30
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Wissen und Vision machen gute Führung aus - aber auch emotionale Intelligenz. Psychologe und NYT-Kolumnist Daniel Goleman über wichtige Eigenschaften

Leadershipkompetenz ist das neue Zauberwort: in gleich mehreren Studien kamen Soziologen, Karriere-Experten, Wirtschaftswissenschafter, etc. zum Schluss, dass man in den Chefsesseln vor allem eines können muss: Führen. Aktuelles Beispiel: die Studie der Unternehmensberatung Strategy &: Man suche nicht mehr den besten Branchenkenner, den Lenker der Sparte, der auf alles eine Antwort hat, sondern den Leader, der Teams in komplexen Umfeldern führen kann. Was aber braucht es für gute Führung? Welche Eigenschaften brauchen Leader?

Für Psychologe Daniel Goleman, der lange Zeit als Wissenschaftsjournalist für die New York Times arbeitete, liegt in emotionaler Intelligenz der Schlüssel zu guter Führung. Was er damit meint? Gefühle identifizieren und kontrollieren – nicht nur die eigenen, sondern auch fremde. Für Führungskräfte liefert Goleman, der an der Rutgers University in New Jersey auch Co-Direktor des Konsortiums für emotionale Intelligenz ist, wichtige Charakteristika:

Sich selbst kennen

Laut Goleman ist es wichtig, seine eigenen Stärken und Limits zu kennen und zu verstehen. Auf diese Weise agiert man aus Kompetenz, und weiß, wenn man sich auf andere im Team verlassen sollte. Das Zauberwort für den Psychologen lautete daher "realistisches Selbstbewusstsein". Verinnerliche man sich das, könne man Gefühle besser verstehen und sie richtig einsetzen. Wenn man weiß, was einen wütend macht, schreibt Goleman, kann man diese Wut auch besser kontrollieren.

Sich selbst organisieren

Resilienz ist laut dem US-Amerikaner am wichtigsten für gute Führungskräfte. Unter Druck einen kühlen Kopf bewahren und sich schnell von Ärger erholen seien Top-Eigenschaften für Leadershipkompetenz, denn während einer Krise würden Menschen immer zu den Leadern aufschauen und auf Beruhigung hoffen. "Wenn man in der Führungsposition Ruhe ausstrahlt, dann fühlen sich auch die anderen beruhigt", schreibt Goleman. Also: Bei Problemen vor Mitarbeitern nicht explodieren, sondern Ruhe bewahren, erklären was falsch läuft und wo die Lösung liegt.

Empathie zeigen

Durch das Einnehmen anderer Perspektiven ist man in der Lage Sachverhalte so darzustellen, dass sie Mitarbeiter oder Kollegen verstehen. Wichtig sei es hierbei auch immer offen für Fragen zu sein und mit Verständnis auf diese zu reagieren. Eine Kombination aus kognitiver Empathie (dem Verstehen mentaler Zustände) und affektiver Empathie (der emotionalen Reaktion auf den Gemütszustand eines Anderen) ist laut Goleman das perfekte Rezept für effektive Kommunikation. Gut zuhören zu können ist also eine weitere wichtige Eigenschaft für Führungskräfte.

Zwischenmenschliche Beziehungen

Wer kennt das Vorurteil nicht, dass Führungskräfte, Top-Manager, Leader – wie man sie nennen mag – auf zwischenmenschlicher Ebene nicht gerade stark sind. Laut Daniel Goleman aber ein absolutes Muss. Wer sich immer Verhält wie der Business Partner, wird keine gute Führungskraft. Mitarbeiter, Angestellte, Mitmenschen fühlen sich nur relaxed, wenn sie sich in der Gegenwart wohlfühlen. Goleman: "Ein Zeichen ist es zum Beispiel, wenn in Ihrer Gegenwart ungezwungen gelacht wird." Sein Tipp: Fesselnde Kommunikation. Die eigenen Punkte in eine klare, überzeugende Sprache bringen, die andere motiviert, zugleich aber Erwartungen klar macht.

Für die New York Times hat Goleman nur wenige Charakteristika und Tipps preisgegeben – ausführlich beschäftigt er sich mit Leadership und emotionaler Intelligenz in seinem Buch "Leadership: The Power of Emotional Intelligence". (red, derStandard.at, 28.4.2015)


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