Hupf in Gatsch: Erst Hindernisparcours, dann Cocktails

Blog28. April 2015, 05:30
4 Postings

Auf den Spuren von "Takeshi’s Castle" liefen, fielen und krabbelten wir wortwörtlich über Stock und Stein und badeten eher unfreiwillig im Schlamm

In Barcelona und Umgebung werden komplett durchorganisierte Aktivitäten immer beliebter. Neben "Room Escape", von dem ich in bereits berichtet habe, sprießen auch die unterschiedlichsten Outdoor-Aktivitäten aus dem Boden. Eine davon ist angelehnt an die japanische Fernsehshow aus den 80er-Jahren, "Takeshi’s Castle", in der die Teilnehmer absurde Hürdenläufe und Proben bestehen mussten. Diese Versuche endeten meist im Wasser oder direkt im Gatsch.

"Takeshi’s Castle" selbst erleben

Mit Freundinnen traf ich mich am Passeig de Gracia bei der Renfe – Spaniens wohl unbeliebtester Bahnverbindung. 50 Kilometer weiter nordwestlich von Barcelona stiegen wir in Sant Celoni aus dem Zug. Die Organisatoren holten uns vom Bahnhof ab und fuhren uns zu der riesigen Anlage. Das Unternehmen bietet alle möglichen Spiele an – von Paintball über Bubble-Football bis hin zu dem politisch nicht ganz korrekten "Humor amarillo" ("Gelber Humor"). Das ist der spanische Titel der japanischen Fernsehsendung.

Über Stock und Stein

Zu Beginn teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Vier gegen vier. Blond gegen Braun. Dann bekamen wir Football-Helme aus Schaumstoff zum Schutz und eine kleine Einführung. Für jede bestandene Probe gab es einen Punkt. Also gingen wir in Angriffsstellung. Wir balancierten auf Baumstämmen in zwei Metern Höhe über einem mit Schaumstoff gefüllten Pool und versuchten, das gegnerische Team zu Fall zu bringen. Beim Sackhüpfen bewarfen wir uns gegenseitig mit gepolsterten Boxsäcken. Besonders spannend war es im Labyrinth des Minotaurus. Als Beute musste man den Ausweg finden, bevor man erwischt wird. Außerhalb des Labyrinths hörte man nur Gekreische und Gelächter. Wir liefen, fielen und krabbelten wortwörtlich über Stock und Stein und badeten eher unfreiwillig im Schlamm. Die drei Stunden vergingen rasend schnell, denn alle Stationen waren zu 100 Prozent unterschiedlich.

foto: johanna hofbauer
"Takeshi’s Castle" nachspielen.
foto: johanna hofbauer
Watscheln durch das Outdoor-Spiel "Humor amarillo".

Fira per la Terra

Währenddessen in Barcelona: Jährlich findet die sogenannte Fira per la Terra auf dem Passeig Lluis Companys statt. Auf dieser Messe stellen Unternehmer rein katalanische Produkte vor. Dort gibt es alle möglichen Produkte aus der Region: Fuet und Serrano-Schinken, verschiedenste Käsesorten, handgearbeiteten Schmuck, Stoffe, Taschen, Holzschnitzereien und Bier aus katalanischen Privatbrauereien. Zwischen den Marktständen tanzende, singende oder musizierende Straßenkünstler.

foto: johanna hofbauer
Wieder zurück in Barcelona auf der Fira per la Terra.

In den vergangenen Jahren ist die Fira per la Terra so stark gewachsen, dass sich die Stände nicht mehr nur auf den Triumphbogen beschränken. Im Parc de la Ciutadela unterhalb der Passage geht es weiter. Hier findet man weitere Stände mit handgemachtem Spielzeug oder Schmuckwaren. Andere bieten kleine Spiele oder Bastelecken für Kinder jeden Alters an. Wir sind also direkt vom Bahnhof zum Triumphbogen gegangen und gemütlich durch die Marktstände geschlendert.

Happy Hour: Erdbeer-Mojitos und, ja, Rucksäcke

Nach "Humor amarillo" und der netten "Fira per la Terra" hatten wir allerdings immer noch nicht genug. Unsere Gruppe blieb in der Gegend um den Triumphbogen, denn wir hatten einen Cocktail-Workshop in der Bar "Inercia Classic" um 25 Euro pro Person gebucht.

So lernten wir zum Abschluss des Tages auch noch ein wenig Cocktail-Geschichte. Der Barkeeper erklärte vier unterschiedliche Cocktail-Rezepte, deren richtige Zubereitung und ein paar praktische Barkeeper-Tricks. Der Erdbeer-Mojito zählt ab jetzt zu meinen absoluten Lieblingscocktails. Aber auch der Waldbeer-Caipiroska, Sex on the Beach und die Piña Colada sind uns gelungen.

Auch der Cocktail-Workshop war ein Wettbewerb: Der Barkeeper ließ uns in Dreiergruppen gegeneinander antreten. Wer den besten Cocktail mixte, gewann ein Zertifikat – und einen Rucksack. Sie rätseln jetzt auch, wie Rucksack und Cocktail zusammenpassen? Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Glücklich und als stolze Besitzerin eines Zertifikats inklusive Rucksack bin ich unter Schmerzen meines aufkommenden Muskelkaters nach Hause gegangen – und habe schon an das kommende Wochenende gedacht. 1. Mai, Maibaumaufstellen im Waldviertel, ich komme! (Johanna Hofbauer, derStandard.at, 28.4.2015)

Johanna Hofbauer lebt in Barcelona und bloggt auf derStandard.at/Reisen über "Barcelona und noch Meer".

Share if you care.