Wenn Krankenschwestern ihre Patienten googlen

27. April 2015, 13:38
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Heftige Debatte über richtigen Umgang mit persönlichen, frei verfügbaren Daten

In den USA hat ein Beitrag in der New York Times eine heftige Debatte über den richtigen Umgang mit Personensuchen auf Google ausgelöst. Anfang April berichtete die Psychotherapeutin Anne Fels von einem Klienten, der exzessiv auf Google nach Fels gesucht und zahlreiche persönliche Details herausgefunden hatte. Damit hatte er seine Therapeutin dann konfrontiert. Eine heikle Situation: In vielen psychotherapeutischen Schulen soll es ausschließlich um den Patienten gehen, Fragen an den Therapeuten werden lediglich als Ausgangspunkt für zu behandelnde Themen genommen. Google macht den Nimbus des neutralen, undurchsichtigen Therapeuten allerdings kaputt.

Nicht geschützt

Auch in umgekehrter Richtung sorgen Suchmaschinen für Probleme: Fels berichtet weiters davon, dass mittlerweile zahlreiche Krankenpfleger ihre Patienten googlen. Sie wollen etwa ermitteln, ob diese kriminell oder möglicherweise sogar berühmt sind. Rechtlich dürfte das in Ordnung gehen: Denn die einsehbaren Daten – etwa auf Facebook, Twitter oder in öffentlichen Archiven – sind nicht geschützt. Allerdings verändert es die Voraussetzungen der neutralen Behandlung.

Vorteile

Andere argumentieren hingegen, dass diese "neue Ära der Transparenz" durchaus Vorteile habe. So falle es vielen Personen schwer, sich einem Therapeuten gegenüber zu öffnen. Durch persönliche Details könne Vertrauen zu ihm aufgebaut werden. Wired-Journalistin Brianne Snyder gibt in einem Kommentar etwa zu, jede Person, die sie trifft, im Netz zu suchen. Sie nennt Beispiele wie "Urban Sitter", das Babysitter an Eltern vermittelt und zahlreiche persönliche Infos dazu liefert. Auch Seiten wie AirBnB setzen etwa auf dieses Prinzip.

Allerdings gibt es hier auch kulturelle Unterschiede zwischen den USA und Europa: Der Europäische Gerichtshof entschied etwa, dass Google sensible Suchergebnisse zu Personen auf deren Wunsch entfernen müsse. Das "Recht auf Vergessen" solle den Datenschutz stärken. (fsc, 27.4.2015)

  • Nicht nur in Medizin und Psychotherapie sorgt die Transparenz durch Google für Probleme.
    foto: reuters/wermuth

    Nicht nur in Medizin und Psychotherapie sorgt die Transparenz durch Google für Probleme.

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