Polen verweigert russischen "Nachtwölfen" die Einreise

27. April 2015, 16:15
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Nationalistischer Motorradclub bringt Polens Regierung in Bedrängnis

"Überfall auf Polen. Die Kopacz-Regierung verliert gegen die russischen Provokateure" giftet die rechte Zeitschrift Do Rzeczy und zeigt auf ihrem Titelblatt Russlands Präsident Wladimir Putin hämisch grinsend auf einem Kraftprotzmotorrad. Nicht viel freundlicher ätzt die konservative Rzeczpospolita: "Nachtwölfe-Test verpatzt". Nur die linksliberale Gazeta Wyborcza schreibt trocken: "Die Nachtwölfe nerven die Polen."

Sollte es dem russisch-nationalistischen Biker-Club "Nachtwölfe" um möglichst großes Aufsehen für die Fahrt von Moskau nach Berlin gegangen sein, um dort am 9. Mai an den Sieg der Roten Armee über das Deutsche Reich zu erinnern, so ist ihm das gelungen. In Polen ist die angebliche "Provokation" seit Wochen eines der wichtigsten Themen. Dass die deutsche Botschaft in Moskau den "Putin-Freunden" Schengenvisa ausstellte, ließ die Emotionen überkochen. "Verräter Deutschland!" war ein häufiger Leserkommentar in Onlinemedien.

Entscheidung nach intensiven Beratungen

Zwar mahnte der eine oder andere Politiker und Publizist mehr Besonnenheit an – schließlich wollten nur rund zwei Dutzend "Nachtwölfe" durch Polen fahren. Doch gegen den Sturm der Empörung hatten sie keine Chance. Nach intensiven Beratungen der Außenminister verhängten Polen und Deutschland ein Einreiseverbot für die "Nachtwölfe". Deutschland annullierte wohl auch einige bereits ausgestellte Visa.

Kein Problem stellte hingegen die Anwesenheit der Kaliningrader "Nachtwölfe" im polnischen Braniewo dar. Am Wochenende gedachten dort rund 400 Russen aus Kaliningrad und Woronesch der gefallenen Sowjetsoldaten von 1945, darunter 200 Motorradfahrer. Die Gedenk-Motorrad-Rallye, an der regelmäßig auch polnische Politiker teilnehmen, hat sich in den vergangenen fünf Jahren etabliert. "Es ist zu keinen Zwischenfällen gekommen", sagte eine Sprecherin des Grenzschutzes. (Gabriele Lesser aus Warschau, DER STANDARD, 28.4.2015)

  • Der nationalistische Motorradclub der "Nachtwölfe" will den Weg der Roten Armee nachfahren.
    foto: reuters/vasily fedosenko

    Der nationalistische Motorradclub der "Nachtwölfe" will den Weg der Roten Armee nachfahren.

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