Blinddarmentzündung bei Kindern: Chirurgen raten zu sofortiger Operation

27. April 2015, 12:19
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"Abwarten ist in Anbetracht der möglichen schwerwiegenden Komplikationen keine Option", so Experte Peter M. Vogt

München – Im Gegensatz zu Erwachsenen sollte eine Blinddarmentzündung bei Kindern auf keinen Fall mit Antibiotika allein behandelt werden. Eine akute kindliche Appendizitis ist immer ein Grund für eine sofortige Operation, betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). "Abwarten ist in Anbetracht der möglichen schwerwiegenden Komplikationen keine Option", sagt DGCH-Präsident Peter M. Vogt.

Meist im Schulalter

Blinddarmentzündung ist eine der gefährlichsten chirurgischen Erkrankungen des Bauchraumes. "Am häufigsten erkranken Kinder im Schulalter daran, zwischen dem fünften und zwölften Lebensjahr", erläutert Bernd Tillig, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie.

"Dabei gilt: Je jünger das erkrankte Kind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass bereits bei der Einweisung in die Klinik ein Blinddarmdurchbruch mit beginnender Bauchfellentzündung vorliegt", so der Experte. Dann drohen schwere Komplikationen wie Blutvergiftung, Verwachsungen im Bauchraum und Störungen der Darmfunktion.

Aus diesem Grund raten die Kinderchirurgen bei dringendem Verdacht auf Appendizitis und Bekräftigung des Verdachtes durch eine Ultraschalluntersuchung zur Operation. "Das operative Entfernen des Wurmfortsatzes in Vollnarkose dauert zwischen zwanzig und vierzig Minuten und ist nach über 130 Jahren Erfahrung unverändert die Therapie der Wahl", sagt Tillig.

Abwarten nur für Erwachsene eine Option

Es liegen derzeit keine belastbaren und aussagekräftigen Vergleichsstudien mit Kindern vor, die eine Änderung dieses Vorgehens begründen könnten. Denn alle bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine nichtoperative Blinddarmtherapie mit Bettruhe, Antibiotika und Abwarten als effektiv und sicher bewerten, stammen aus der Erwachsenenmedizin.

In ihnen wurde die Diagnose mit einer Computertomografie-Untersuchung (CT) gestellt, die besonders genau beschreibt, in welchem Stadium sich eine Blinddarmentzündung befindet. "Eine CT belastet den Körper jedoch mit Strahlen, sodass sie für Kinder nicht in Frage kommt", erläutert der Berliner Kinderchirurg.

Dennoch belegen die bisherigen Studien, resümiert Tillig, dass eine milde Blinddarmentzündung bei Erwachsenen durchaus mit Antibiotika behandelt werden kann – und die Therapie in einigen Fällen sogar ganz ohne Arznei auskommt. Allerdings eben nur bei Erwachsenen. (red, derStandard.at, 27.4.2015)

  • Leiden Kinder an einer Blinddarmentzündung, muss man sofort handeln, so Experten.
    foto: wikipedia/patho/(CC-Lizenz)

    Leiden Kinder an einer Blinddarmentzündung, muss man sofort handeln, so Experten.

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