Integrationsbotschafter: Role-Models mit Schwächen

Kommentar26. April 2015, 18:40
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Integrationsbotschafter vermitteln mitunter ein falsches Bild von Europa

Das Engagement Einzelner für ein besseres Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft - auch wenn sich diese, wie in Österreich, nur zögernd dazu bekennt - ist nicht hoch genug zu loben. Stellt sie doch das Ferment der Zivilgesellschaft dar, ohne deren Arbeit und Kritik solch tiefgreifenden Veränderungen in einer Demokratie nicht zu bewältigen sind.

In diesem Sinne ist ein jeder und eine jede der 25 Integrationsbotschafter für Europa, die am Sonntag im halboffiziellen Rahmen im Wiener Burgtheater vorgestellt wurden, persönlich als positiv hervorzuheben. Aber - gleichzeitig - sind auch die Schwächen einer solchen Role-Model-Parade nicht zu unterschlagen.

In einer Zeit nämlich, in der Europa auf abertausende Flüchtlinge und Einwanderungswillige in lebensgefährlichen Booten im Mittelmeer nur mit fortgesetztem Grenzenzumachen reagiert, vermitteln derlei Vorbildaktionen mit einen falschen Eindruck: So als ob die EU, und damit auch Österreich, chancenbetonte Gesellschaften für Neuankömmlinge wären. Das jedoch ist nicht der Fall - und um die damit zusammenhängenden Probleme sollte man sich nicht herummogeln. Etwa dass das Deutschkursangebot für Zuwanderer hierzulande höchst unzureichend ist - und dass Integrationsangebote für anerkannte Flüchtlinge großteils fehlen. Sowie, dass es EU-weit fast keine legalen Zuwanderungsmöglichkeiten mehr gibt. Da hilft auch größter persönlicher Integrationswillen nichts. (Irene Brickner, DER STANDARD, 27.4.2015)

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