"Messenger"-Sonde wird auf den Merkur stürzen

26. April 2015, 17:12
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NASA zieht erfolgreiche Bilanz der langjährigen Mission, an deren Ende ein 16 Meter großer Krater stehen wird

Washington - Mit einem Sturz auf den Merkur wird sich die NASA-Sonde "Messenger" in wenigen Tagen - wenn alles nach Plan verläuft am Donnerstag (30. April) - nach mehr als zehn Jahren Forschungsarbeit aus dem Dienst verabschieden. Dann wird der Treibstoff aufgebraucht sein und "Messenger" mit fast vier Kilometern pro Sekunde auf den Merkur prallen.

Die rund drei Meter große Sonde wird dabei laut NASA-Berechnungen einen Krater mit einem Durchmesser von 16 Metern hinterlassen. Von der Erde aus wird das Feuerwerk leider nicht zu sehen sein: Die Sonde wird einfach hinter dem Planeten verschwinden und nicht mehr wieder auftauchen, wie Dan O'Shaughnessy vom Applied Physics Lab der John Hopkins University erklärte.

Auswertung der Daten noch lange nicht vorbei

"Der Betrieb der Sonde wird dann vorbei sein, aber wir feiern 'Messenger' als eine mehr als erfolgreiche Mission", sagte NASA-Manager John Grunsfeld. "Zugleich ist es der Beginn einer noch längeren Mission, die darin besteht, die Daten zu analysieren, die alle wissenschaftlichen Geheimnisse von Merkur offenlegen." Mehr als 250.000 Fotos hat "Messenger" geknipst und viele Terabyte an Daten gesammelt.

Die Sonde, deren Name eine Abkürzung für "MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging" ist, hat in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. Als sie im August 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Staat Florida startete, hatte es zuvor mehr als 30 Jahre lang keine Mission zum Merkur mehr gegeben. Und "Mariner 10", die einzige Vorläufer-Mission, hatte auch nur die Hälfte der Oberfläche des Planeten kartiert.

Mehr als zwölf Milliarden Meilen hat "Messenger" seit dem Start zurückgelegt. Nach fast sieben Jahren erreichte die rund 500 Kilogramm schwere Sonde 2011 die Umlaufbahn des innersten Planeten im Sonnensystem. Eigentlich sollte sie den Merkur, der nur etwas größer als der Erdmond und sogar kleiner als der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan ist, nur einmal umrunden. Weil Zustand und Tank es zuließen, wurde die Mission aber gleich zweimal um insgesamt vier Jahre verlängert.

Den Widrigkeiten getrotzt

Einen besonders einladenden Planeten fand "Messenger" nicht vor, das war schon vor der Mission klar gewesen. Nachts wird es auf dem Merkur fast minus 200 Grad Celsius kalt. Tagsüber erhitzt sich die Oberfläche auf Temperaturen von 400 Grad und mehr - was aber immer noch weniger ist als auf der sonnenferneren Venus mit ihrer dichten Atmosphäre.

Mit Daten und Fotos von diesem scheinbar abweisenden Planeten begeisterte "Messenger" die Forscher dann aber trotzdem. Die mit einem Schild aus Spezialkeramik gegen die Hitze geschützte Sonde mit acht wissenschaftlichen Instrumenten an Bord entdeckte unter anderem unerwartet starken Vulkanismus, einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Oberfläche und Hinweise auf Wasser. Außerdem fotografierte "Messenger" die letzten bis dahin noch unbekannten Gebiete des Planeten. "Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir jetzt ein wirkliches Wissen über Merkur, das ihn als einen faszinierenden Teil unseres Sonnensystems zeigt", sagt NASA-Manager Grunsfeld. (APA/red, derStandard.at, 26.4. 2015)

  • Am kommenden Donnerstag wird die "Messenger"-Sonde ihr eigenes Grab ausheben - mit Anlauf.
    illustration: ap/nasa/jhu apl/carnegie institution of washington

    Am kommenden Donnerstag wird die "Messenger"-Sonde ihr eigenes Grab ausheben - mit Anlauf.

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