Präsidentschaftswahl: Versteckspielen vor der Hofburg

26. April 2015, 16:46
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Ich und Präsident? Erwin Pröll hält die ÖVP noch hin. In der SPÖ gilt Rudolf Hundstorfer als Kandidat

Wien – Irmgard Griss hat gute Werte. Der Meinungsforscher Peter Hajek traut der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Leiterin der Untersuchungskommission bezüglich der Causa Hypo Alpe Adria zu, dass sie die Bundespräsidentschaftswahl für sich entscheiden und in die Hofburg einziehen könnte. "Griss ist eine charismatische Persönlichkeit, die überzeugen kann", sagt Hajek. "Wenn man mit einer Kampagne eine noch breitere Bekanntheit herstellen würde und auch der Boulevard auf diesen Zug aufspringt, dann hätte sie alle Chancen." In der letzten Umfrage, die Hajek im Jänner dieses Jahres machen ließ, lag Griss auf dem dritten Platz hinter Erwin Pröll und dem Grünen Alexander Van der Bellen, aber noch vor Rudolf Hundstorfer.

Eigene Kandidaten

Derzeit schaut es aber nicht danach aus, dass Griss überhaupt zur Wahl stehen wird. Die beiden Großparteien SPÖ und ÖVP und auch die Grünen scheinen kein Interesse an einer Kandidatur der 68-jährigen Steirerin zu haben. Griss selbst hatte gesagt, sie könne sich eine Kandidatur nur vorstellen, wenn sie von den Koalitionsparteien gemeinsam aufgestellt werden würde. Die suchen ihre Kandidaten für die Bundespräsidentschaftswahl, die im kommenden Jahr stattfinden wird, offenbar lieber in ihren eigenen Reihen.

Unterschiedliche Umfragewerte

Bei der ÖVP hält der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll alle hin. Sollte er tatsächlich kandidieren wollen, dann werde die Partei dem nachkommen, heißt es. Auch wenn manche Bauchweh mit einer solchen Entscheidung hätten. In seinem Heimatland Niederösterreich hat Pröll fantastische Umfragewerte, diese nehmen aber ab, je weiter man nach Westen umgeht. Eine parteiinterne Umfrage, ob die Landesorganisationen eine Mehrheit für Pröll in ihrem Bundesland garantieren könnten, wurde etwa von Tirol negativ beschieden.

Pröll selbst will mit einer Entscheidung noch zuwarten, ihm scheinen die anstehenden Landtagswahlen von besonderem Interesse für die Ausgangssituation. Die Ergebnisse in der Steiermark und viel mehr noch in Wien könnten massive Auswirkungen auf die politische Großwetterlage haben – und darüber entscheiden, ob Sozialminister Rudolf Hundstorfer überhaupt für die SPÖ antritt oder in Wien als Bürgermeister einspringen muss. Sollte die Wienwahl im Oktober ein Debakel für die SPÖ bringen, könnte sich ganz akut die Frage der Nachfolge für Michael Häupl stellen.

Offene Bürgermeisterfrage

Ob der 63-jährige Hundstorfer nach dem 65-jährigen Häupl ein Signal des Aufbruchs sei, stellen viele in der SPÖ infrage. Als möglicher Bürgermeisterkandidat wird von der jüngeren Fraktion etwa Andreas Schieder, der derzeitige Klubobmann im Parlament, ins Spiel gebracht – dem wiederum Jan Krainer, Fraktionsvorsitzender im U-Ausschuss und ein Vertrauter von Kanzler Werner Faymann, nachfolgen könnte.

Sollte Pröll kandidieren, würde das auch in der ÖVP eine größere Rochade auslösen. Als dessen Nachfolgerin in Niederösterreich wird Innenministerin Johanna Mikl-Leitner gehandelt – die dann in der Bundesregierung wohl wieder von einem Niederösterreicher ersetzt werden müsste. Alternativ zu Mikl-Leitner wärmt sich aber auch Agrarlandesrat Stephan Pernkopf, nebenbei Präsident des Ökosozialen Forums, schon als Pröll-Nachfolger auf.

Andere Möchtegernkandidaten

Während man in der Bundespartei davon ausgeht, dass die Frage der Präsidentschaftskandidatur im Herbst entschieden wird, geht man in der Umgebung von Erwin Pröll davon aus, dass dies erst zu Jahresende der Fall sein werde. Bis dahin werden sich andere Möchtegernkandidaten wie der Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl oder der Europaparlamentarier Othmar Karas wohl auch nicht aus der Deckung wagen.

Auf SPÖ-Seite soll Hundstorfer schon eine Umfrage über seine Chancen als Hofburg-Kandidat in Auftrag gegeben haben. In Umfragen, die dem STANDARD vorliegen, liegt der Sozialminister derzeit jedenfalls deutlich hinter Pröll und auch hinter Van der Bellen. (Michael Völker, DER STANDARD, 27.4.2015)

  • Justizminister Wolfgang Brandstetter macht beim ÖVP-Jubiläumsfestakt ein Foto eines prägnanten Schädels, jenes des vor ihm sitzenden Erwin Pröll. Staatssekretär Harald Mahrer findet das lustig.
    foto: matthias cremer

    Justizminister Wolfgang Brandstetter macht beim ÖVP-Jubiläumsfestakt ein Foto eines prägnanten Schädels, jenes des vor ihm sitzenden Erwin Pröll. Staatssekretär Harald Mahrer findet das lustig.

  • Sozialminister Rudolf Hundstorfer wärmt sich mit Auftritten im burgenländischen Wahlkampf für die SPÖ schon für seinen eigenen Wahlkampf auf.
    apa/neubauer

    Sozialminister Rudolf Hundstorfer wärmt sich mit Auftritten im burgenländischen Wahlkampf für die SPÖ schon für seinen eigenen Wahlkampf auf.

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