Krieg per Crowdfunding: Die Drohnen-Macher aus der Ukraine

26. April 2015, 17:58
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Frewillige betreiben Technologie-Projekte zur Unterstützung der Armee

Seit über einem Jahr kämpft die ukrainische Armee im Osten des Landes gegen von Russland unterstützte Rebellentruppen. Offiziell wurden seitdem 6.000 Tote und über eine Million Flüchtlinge verzeichnet, Waffenstillstände waren und sind bislang sehr brüchig. Der Kampf um das Donezk-Becken wirkt, so schreibt der Guardian, wie ein Konflikt zwischen David und Goliath. Die Ausstattung der ukrainischen Armee ist schlecht, der Nachschub spärlich.

Doch jener Teil der Bevölkerung, die sich der Regierung in Kiew verpflichtet sieht, findet trotz Armut neue Wege, das eigene Militär zu unterstützen. Mit Schutzausrüstung, Waffen, Maschinen – und auch Drohnen.

Aerorovidka

Der Guardian hat eine Gruppe namens "Aerorozvidka" in das Krisengebiet begleitet. Ihm gehören unter anderem Mitarbeiter des Unternehmens Eleks an. Diese programmierten einst geheime Software im Auftrag von Hollywoodstudios. Nun schreiben sie Steuerprogramme für ukrainische Drohnen.

In Entwicklung

Die Fluggeräte kommen nicht aus dem offiziellen Militärfundus, sondern wurden per Crowdfunding finanziert. Mit einem Team der Aerorozvidka fuhren die Guardian-Reporter in ein verlassenes Dorf, das sich in der Nähe befunden haben dürfte. Dort holten die Soldaten eine große Drohne mit mehreren Rotoren aus einer Kiste, ließen sie testweise aufteigen und montierten danach eine etwa 60 Zentimeter lange Eigenbau-Bombe an dem Fluggerät.

Bei deren Abwurf geschah nichts. Es war eine Testbombe, so ein Soldat. Danach wurde eine weitere – diesmal scharfgestellte - Bombe befestigt. Umstehende suchten währenddessen Schutz hinter einem Lastwagen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein selbst gebauter Sprengkörper vorzeitig explodiert. Die Drohne wurde über ein naheliegendes Waldgebiet gesteuert, die Bombe abgeworfen.

Doch erneut folgte keine Explosion. Das System sei noch nicht perfekt, erklärten die etwas konsternierten Ukrainer dazu. Man sei aber bald soweit, dass alles zuverlässig funktioniere. Das mehrmalige Aufsteigen lassen der Drohne machte nun freilich einen Standortwechsel notwendig, um nicht unter Beschuss durch Scharfschützen oder Artillerie zu geraten.

Freiwillige betreiben Technologieprojekte

In der Ukraine arbeiten mittlerweile viele Techniker freiwillig und Vollzeit zur Unterstützung der Armee, die vom Westen bislang keine Militärhilfe erhält. Angestellte bei Eleks – die Firma hat neben ihren heimischen Standorten auch ein Büro in Nevada – können während der Arbeitszeit an Hardware und Software für Drohnen arbeiten, die von der Regierung in Kiew nicht finanziert werden. Sobald man funktionstüchtige Prototypen hat, versucht man, die Produktion via Crowdfundig zu finanzieren.

Entwickelt werden Programme, die helfen sollen, ukrainische Drohnen in von der Armee kontrolliertes Territorium zurückzulotsen, wenn sie von russischen Störsendern vom Kurs abgebracht werden. Ein anderes Tool soll die Drohnen dazu befähigen, der ukrainischen Artillerie verlässliche Zieldaten zu liefern. Derzeit sollen die Streitkräfte oft noch mit analogen Karten aus dem Fundus der ehemaligen Roten Armee arbeiten.

The People's Project

Neben Eleks gibt es noch andere Unterfangen. Etwa die Finanzierungsplattform "The People's Project", worüber etwa hochentwickelte Drohnen für Sondereinsatzkräfte des Heeres finanziert werden sollen. Die Hintermänner der Entwicklung der "PD-1"-Drohne verbleiben in der Anonymität. Sie fürchten, wie sie gegenüber dem Guardian erklären, mehr um das Leben ihrer Familienmitglieder, denn ihr eigenes.

Das Projekt ist jedenfalls ambitioniert: Das Kollektiv aus Zivilisten baut eine Drohne, die bis zu neun Stunden auf einer Höhe von rund zwei Kilometer verkehren kann. Ihre Spitzengeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Sie soll scharfe Aufnahmen liefern, die von Einsatzkräften am Boden umgehend verwendet werden können. Ihre Erfinder geben sich überzeugt davon, dass die Drohne so weit entwickelt ist, dass sie den russlandtreuen Separatisten nicht in die Hände fallen kann. (gpi, 26.04.2015)

  • Ukrainische Freiwillige lassen eine Drohne aufsteigen.
    foto: apa

    Ukrainische Freiwillige lassen eine Drohne aufsteigen.

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