Polizei: Angeschossener Schwarzer hätte sofort Arzt gebraucht

25. April 2015, 09:52
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Neue Proteste nach Tod des jungen Mannes am Samstag geplant

Baltimore - Die Polizei in der US-Großstadt Baltimore hat eingeräumt, dass ein offenbar bei seiner Festnahme verletzter junger Schwarzer sofort ärztliche Hilfe gebraucht hätte. "Ehrlich gesagt, genau in diesem Moment hätte Freddie Gray ärztlich versorgt werden müssen, und das ist nicht geschehen", sagte Polizeivertreter Kevin Davis am Freitag (Ortszeit), der die Ermittlungen zu dem Fall leitet.

Der 25-jährige Gray starb eine Woche nach seiner Festnahme an Rückenmarksverletzungen. Der genaue Hergang der Ereignisse ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handy-Video von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray vergangenen Sonntag auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

Sechs Beamte wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. In einem Polizeibericht hatte es zunächst geheißen, die Festnahme sei ohne Gewaltanwendung verlaufen. Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden.

Kundgebung am Samstag

Nach dem Tod des jungen Mannes gab es täglich Proteste in Baltimore, bei denen vollständige Aufklärung von Grays Tod gefordert wird. Auch für Samstag war eine Kundgebung geplant, zu der die Organisatoren 10.000 Teilnehmer erwarteten.

Gray könnte das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze sein. Erst Anfang April wurde in der Stadt North Charleston ein Polizist wegen Mordes angeklagt, weil er nach einer Verkehrskontrolle einem fliehenden Afroamerikaner in den Rücken schoss. Vor gut einer Woche wurde zudem bekannt, dass in Oklahoma ein 72-jähriger Hilfssheriff einen Schwarzen erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war.

Bereits zuvor hatte eine Reihe von tödlichen Schüssen auf Schwarze eine Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA ausgelöst. Im August war in der Kleinstadt Ferguson der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet worden. Wegen mangelnder Beweise wurde der Beamte aber nicht angeklagt. Die Vorgänge führten in Ferguson und anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten. (APA, 25.4.2015)

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