1:0 in St. Pölten - der LASK kann gewinnen

24. April 2015, 23:21
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Ein erstes Erfolgserlebnis in der Ära Hiden gelingt ausgerechnet dort, wo das den Linzern bisher noch nie vergönnt gewesen ist

St. Pölten - Nach 455 Minuten Erster Liga gab es wieder einmal ein LASK-Tor. Florian Templ ist der Name jenes Mannes, der dieses Ereignis realisiert hat. Acht Minuten waren am Freitagabend vergangen, beim Gastspiel der Linzer beim SKN St. Pölten, da sprang dem technisch eigentlich durchaus versierten Lukas Thürauer ein Zuspiel von Tomasz Wisio meilenweit vom Fuß. Templ, der 26-jährige Stürmer, machte sich dies zunutze. Als Wisio sich zu einer Zweikampfführung im engeren Sinn nicht entschließen konnte, reichte dem Linzer ein sehr bodenständiges Ausscheren um sich jenen Raum zu geben, den er brauchte, um einen umso herrlicheren Bums vom Stapel zu lassen. Kreuzeck, 0:1. 1500 Seelen waren Zeugen in der schmucken NV-Arena, das hätte der alte Voitplatz auch gepackt.

Ein Aufbauspiel des im Rückstand befindlichen SKN fand danach nicht statt, daran krankt es bei den Niederösterreichern allerdings nicht erst seit kurzem. An Ballbesitz (64 Prozent) wäre zwar kein Mangel gewesen, dieser erschien jedoch eher als Fluch denn als Segen. Verunsicherung war bei den Spielern des Trainers Jochen Fallmann mit Händen zu greifen, besonders die Defensive brachte sich ein ums andere Mal selbst in die Bredouille. Den Rest erledigte ein recht engagiertes Offensivpressing der Athletiker. Die hielten in der recht trostlosen Folge mühelos alles Ungemach von sich fern, die Verwaltung des Status quo wurde bis zur Pause unfallfrei zu den Akten gelegt.

In dieser gab der ehemalige LASK- und möglicherweise bald künftige SKN-Coach Karl Daxbacher seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Niederösterreicher die Klasse doch bitteschön halten möchten. Und doch wurde offensichtlich: Der Mann, den sie Sir nennen, trauert seiner Linzer Zeit noch heftig nach. Es ist zu hoffen, dass er das Feuer für die neue Aufgabe noch anzufachen versteht.

Die zweite Halbzeit begann dann mit einer knackigen Einlage. Templ rasselte mit Andreas Dober zusammen, der gerade im Begriff war, einen Outeinwurf zu exekutieren. Der St. Pöltner wischte im Fallen noch ins Gesicht des Linzers, Referee Andreas Heiß regelte die Angelegenheit amikal.

Diese Eintagsfliege konnte die dominante Charakteristik im Ablauf des Geschehens aber nicht übertünchen, denn der SKN behielt seine Harmlosigkeit weiter vollinhaltlich bei. Es dauerte bis zur 65. Minute, als Mario Mosböcks Schuss Pavao Pervan im LASK-Goal zu einem ersten Befähigungsnachweis nötigte. Michael Ambichl hatte seinen Kollegen mit einem überlegten Zuspiel von rechts herein gut in Szene gesetzt.

Können nur wollen

Wille konnte den Gastgebern nicht abgesprochen werden, doch erst als man die Brechstange nicht mehr scheute, fanden ein paar hohe Bälle ihren Weg in des Gegners Strafraum und generierten etwas Gefahr - da waren aber nur noch zehn Minuten zu gehen. Der sich heftig einigelnde LASK war längst noch sehr punktuell zu Gegenstößen in der Lage.

Es musste also Wisio her, um seinen Keeper Christoph Riegler in Bedrängnis zu bringen - mittels riskanten Rückpasses nämlich, der den SKN-Schlussman zwang, gegen Nikola Dovedan Kopf und Kragen zu riskieren. Es war nicht die einzige Harakiri-Aktion, die sich der routinierte polnische Abwehrchef während dieser 90 Minuten geleistet hatte (85.). Auf der anderen Seite: Thürauer, sich über weite Strecken rührig mühend, vollierte aus kurzer Distanz genau auf den Rücken des Linzers Florian Neuhold (87.). Da war zweifellos ein Quäntchen Pech dabei, der SKN hätte sich einen Punkt irgendwie wohl verdient.

In der Nachspielzeit noch einmal Auftritt Dober, der gegen den ihm rüde zu Leibe rückenden Sebastian Schröger zu einer griechisch-römischen Replik ansetzte. Heiß gab den Salomo und Gelb in jede Richtung. Der zu einer St. Pöltner Fantrommel gehörende Schlägel, der zu guter Letzt aufs Spielfeld gesegelt kam, symbolisierte es trefflich: den Niederösterreichern hatte es an diesem Abend am Takt gefehlt.

Der erste Sieg Martin Hidens in seiner Ära als LASK-Boss ist somit gleich ein historischer: Noch nie zuvor hatten die Linzer in der blau-gelben Metropole die Oberhand behalten können. Templ: "Wir schauen von Spiel zu Spiel." Auf Mattersburg, den mutmaßlichen Aufsteiger, fehlen den Oberösterreichern zehn Punkte. Dem SKN ist andererseits die Abstiegszone wieder bis auf drei Zähler nahegerückt. (Michael Robausch, derStandard.at - 24.4. 2015)

Ergebnis, 30. Runde:

SKN St. Pölten - LASK Linz 0:1 (0:1) St. Pölten, NV-Arena, 1500, SR Heiß.

Tor: Templ (8.)

Gelbe Karte: Brandl, Dober; Erbek, Kerschbaumer, Schröger

SKN St.Pölten: Riegler, Brandl, Wisio, Ambichl (73.Hartl), Thürauer, Grasegger, Schibany, Holzmann, Dober, Markoutz (57.Sandro), Mosböck (68.Fucik)

LASK: Pervan, De Lima, Drazan, Templ, Dovedan, Savic (69.Schröger), Kerschbaumer, Neuhold, Erbek (84.Ullmann), Michorl (46.Vujanovic), Hieblinger

  • Martin Hiden, Sieger.
    foto: apa/expa/hackl

    Martin Hiden, Sieger.

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