Nationalistischer russischer Biker-Club startet Tour durch Europa

24. April 2015, 18:09
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Kritik an "Siegesfahrt" der russischen Motorradfahrer - Polen will ihnen die Einreise verweigern

Wien - Andrej Bobrowski übt sich in lupenreiner Rhetorik: Wenn der russische Biker-Club "Die Nachtwölfe" am Samstag zu einer Motorradtour von Moskau nach Berlin aufbricht, dann wolle er damit "das Andenken an diejenigen ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind", erklärte der Organisator der "Siegesfahrt" bereits zu Wochenbeginn.

Eigentlich keine ungewöhnlichen Worte angesichts der aktuellen Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Befreiung weiter Teile Europas von der Naziherrschaft. Dennoch sind die Nachtwölfe längst nicht überall willkommen.

Kreml-nahe Motorradfahrer

Ende der 1980er-Jahre in der Sowjetunion gegründet, zeichnet sich der Verein mittlerweile durch den Gestus eines imperial anmutenden russischen Patriotismus aus und nimmt im politischen Gefüge Russlands einen festen Platz ein. Die Nachtwölfe stehen dem Kreml nahe, sogar Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich in den vergangenen Jahren häufig an der Seite von Biker-Anführer Alexander Saldostanow gezeigt.

Der medienbewusste Saldostanow alias "Chirurg" ist auch Mitbegründer der russischen "Antimaidan"-Bewegung - eine Anspielung auf die ukrainische Maidan-Bewegung, die voriges Jahr für engere Anbindung an den Westen demonstriert und den damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch aus dem Amt gejagt hat.

Proteste gegen "Provokation"

Bei ihrer "Siegesfahrt", die am 9. Mai in Berlin enden soll, wollen die Nachtwölfe Weißrussland, Polen, Tschechien, die Slowakei, Österreich und Deutschland besuchen. Unklar war zunächst, mit welchen Visa sie in den Schengenraum einreisen wollen. Saldostanow erklärte, dass die Teilnehmer bereits Schengen-Visa hätten. Lediglich sein eigenes Visum sei noch in Bearbeitung.

Vor allem in ehemals kommunistischen Ländern gilt die Fahrt jedoch als Provokation. Polen hat die Einreise der Biker am Freitag abgelehnt. Die russische Botschaft sei darüber informiert worden, dass die Mitglieder des Clubs nicht nach Polen einreisen dürften, verlautbarte das Außenministerium in Warschau. Auch Tschechiens Außenminister Lubomír Zaorálek hatte die Durchfahrt zuvor als Provokation bezeichnet. In der Slowakei fordert eine Gruppe von 75 Intellektuellen die Regierung in einem offenen Brief auf, den Motorradfahrern die Einreise ebenfalls zu verweigern.

Auch in Wien wollen die Nachtwölfe Station machen. Eine angeblich für den 2. oder 3. Mai geplante Zeremonie am sowjetischen Denkmal sei bisher nicht als Veranstaltung angemeldet worden, erklärte eine Polizeisprecherin. (Gerald Schubert, DER STANDARD, 25.4.2015)

  • Wladimir Putin (Mitte) im Kreis der Nachtwölfe. Die geplante Siegesfahrt der Motorrad-Fans erregt in Mittel- und Osteuropa die Gemüter.
    foto: ap / alexander zemlianichenko

    Wladimir Putin (Mitte) im Kreis der Nachtwölfe. Die geplante Siegesfahrt der Motorrad-Fans erregt in Mittel- und Osteuropa die Gemüter.

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