Kanonenboote gegen Flüchtlinge: UN im Clinch mit der "Sun"

24. April 2015, 21:37
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Die Hetze der britischen Boulevardpresse ruft den UN-Hochkommissar auf den Plan

Mit diesem Artikel ging die "Sun" zu weit: Vor gut einer Woche veröffentlichte das britische Boulevardblatt einen Hetzartikel, in dem Migranten und Bootsflüchtlinge als "Kakerlaken" beschimpft wurden. Die Fremden hätten britische Städte in "eiternde Wunden" verwandelt, giftete die größte Zeitung Großbritanniens. Am besten setze man "Kanonenboote" gegen Flüchtlingsboote ein - oder bohre Löcher in die Schaluppen, mit denen die Menschen Gewalt und Armut entfliehen wollten.

Für den UN-Hochkommissar für Menschenrechte ist jetzt klar: Die britischen Behörden und auch andere Medien müssen gegen diese Art von Hassstücken endlich einschreiten. Das forderte der Jordanier Seid Ra'ad al-Hussein am Freitag in Genf. Die "Sun" stachle zum Hass und zum Rassismus an – und das sei laut Völkerrecht eindeutig verboten. Seid zog auch Parallelen, die den "Sun"-Journalisten nicht gefallen dürften: Schon die gleichgeschalteten Medien im Dritten Reich hätten Menschen als "Kakerlaken" bezeichnet. Und: In Ruanda hätten Radiosender mit ähnlichen Worten wie jetzt in der "Sun" die Menschen zum Völkermord von 1994 aufgehetzt.

Übertriebene Artikel

Der Meinungsartikel in der "Sun", der unter dem Namen Katie Hopkins erschien, ist kein Einzelfall, wie der UN-Hochkommissar erklärte. Schon seit Jahrzehnten giften englische Boulevardblätter hemmungslos gegen Ausländer, Migranten und Flüchtlinge – niemand gebiete den Ausbrüchen in den Redaktionsstuben Einhalt. Als Beispiel nannte der UN-Hochkommissar den "Daily Express", der 2003 innerhalb von 31 Tagen 22 negative Storys über Asylwerber und Vertriebene auf der Titelseite druckte. Der Hochkommissar betonte: Viele Geschichten über Ausländer in den britischen Straßenblättern seien übertrieben und verzerrt, einige sogar frei erfunden.

Laut der Website der BBC löste der Artikel der "Sun" breite Empörung aus. Eine Petition mit der Forderung, die Autorin Katie Hopkins zu entlassen, verzeichne bereits 250.000 Unterschriften. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, derStandard.at, 24.4.2015)

  • Der "Sun" soll laut den Vereinten Nationen Einhalt geboten werden.
    foto: reuters/toby melville

    Der "Sun" soll laut den Vereinten Nationen Einhalt geboten werden.

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