Österreichischer Physiker erhält kanadischen "Research Chair"

24. April 2015, 11:21
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Alexander Rauscher arbeitet auf dem Gebiet der quantitativen Magnetresonanztomographie

Wien/Vancouver - Der österreichische Physiker Alexander Rauscher hat einen prestigeträchtigen "Canada Research Chair" erhalten. Er wird sich an der University of British Columbia (UBC) in Vancouver der Bildgebung der Hirnentwicklung widmen. Verbunden mit dem Forschungspreis sind umgerechnet 380.000 Euro für fünf Jahre und eine Anstellung an der Uni.

Kanada hat im Jahr 2000 das "Canada Research Chair"-Programm ins Leben gerufen, um 2.000 neue Forschungslehrstühle an den Universitäten im ganzen Land einzurichten. Jährlich werden umgerechnet rund 200 Mio. Euro investiert, um vielversprechende Wissenschafter im Land zu halten bzw. nach Kanada zu holen.

Forschungsfeld

Rauscher, der Physik an der Technischen Universität (TU) Wien studiert und an der Medzin-Uni Wien sein PhD absolviert hat, arbeitet seit 2010 an der UBC. 2012 erhielt er bereits einen "New Investigator Award" des Canadian Institutes of Health Research.

Im Mittelpunkt von Rauschers Arbeiten steht die sogenannte quantitative Magnetresonanztomographie (MRT). Dabei werden Gewebeeigenschaften gemessen und mit speziellen Computerprogrammen ausgewertet. "Herkömmliches MRT erzeugt qualitative Bilder, die zeigen, wie krankhafte Gewebeveränderungen oder Verletzungen aussehen. Wir versuchen Methoden zu entwickeln, die zeigen, wie die Dinge sind, also wie stark etwa der durch Multiple Sklerose verursachte Schaden ist", so Rauscher.

Hintergrund

Diese Quantifizierung eines Schadens sei wichtig, wenn Therapien erprobt werden sollen, die das Gewebe reparieren. "Solche Therapien sind derzeit in Entwicklung und es wird daher sehr wichtig sein, dass man auch zeigen kann, ob sie funktionieren", so Rauscher, der bisher primär mit Erwachsenen gearbeitet hat, nun aber auch Methoden für (Klein-)Kinder entwickeln will.

Gelingt dies, könnte man bei Früh- und Neugeborenen sehr rasch die Wirksamkeit eines neuen Therapieansatzes etwa zur Minimierung von Hirnschäden sehen. Bisher habe man oft Monate bis Jahre warten müssen, bis sich im Verhalten des Kindes zeigte, ob die Therapie angeschlagen hat.

"Die Schwierigkeiten dabei sind, dass sich das Gehirn in diesem Alter sehr schnell ändert. Man muss unterscheiden lernen, was durch die Entwicklung und was durch eine Therapie verursacht wird", sagte der Physiker. Zugute kommt den Wissenschaftern, dass es an der UBC einen von wenigen Brutkästen gibt, die man in einen MRT stecken kann. (APA, derStandard.at, 24.4. 2015)

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