Überlebende Flüchtlinge berichten von Misshandlung

23. April 2015, 17:52
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Hunderte Menschen vor Schiffsunglück in Libyen interniert

Catania/Tripolis - Überlebende des Flüchtlingsunglückes vor der libyschen Küste haben von Misshandlungen durch die Schlepper noch vor Abfahrt des völlig überladenen Schiffes berichtet. Laut der Staatsanwaltschaft im italienischen Catania erzählten einige der 26 Überlebenden Migranten am Donnerstag, die Menschenschmuggler hätten noch auf dem libyschen Festland mehrere Menschen zu Tode geprügelt.

Beim womöglich schwersten Unglück im Mittelmeer seit Jahrzehnten waren am Sonntag rund 750 Menschen ums Leben gekommen. Laut den Ermittlern sagten die Überlebenden aus, 1000 bis 1200 Menschen seien vor der Abfahrt des Schiffes in einem leer stehenden Gebäude nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis festgehalten worden, wo mehrere uniformierte und bewaffnete Männer ein regelrechtes Terrorregime über sie ausgeübt hätten.

Minderjähriger exekutiert

Jeder, der sich nicht an die Anweisungen der möglicherweise der libyschen Polizei angehörenden Männer gehalten habe, sei mit Knüppeln verprügelt worden, mehrfach mit tödlichem Ausgang, erzählten die Flüchtlinge den Ermittlern. Andere seien an Krankheit oder Erschöpfung gestorben.

Vor der Abfahrt wurden die Flüchtlinge mit einem Lastwagen zur Küste gebracht, wo die Uniformierten offenbar von der Schiffsbesatzung bei der Übergabe Geld ausgezahlt bekamen. Mit Schlauchbooten wurden die Migranten anschließend zu dem wartenden Fischtrawler gebracht. Ein Bub, der unaufgefordert in eines der Schlauchboote geklettert war, sei von den Schleusern getötet und seine Leiche über Bord geworfen worden, berichtete einer der Überlebenden.

Unterbringung im Laderaum

Laut den Ermittlern zahlten die Flüchtlinge zwischen 1000 libyschen Dinar (630 Euro) und umgerechnet 6500 Euro für die Überfahrt. Am Schiff angekommen wurden diejenigen, die weniger gezahlt hatten, in den Laderaum oder die Unterdecks geschickt, die anderen durften weiter oben Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft gab die Zahl der Menschen an Bord nach Auswertung der Aussagen mit mindestens 750 an - die meisten davon hatten keine Chance zu entkommen, als das Schiff später umkippte und sank.

Außer den Flüchtlingen überlebten noch zwei Besatzungsmitglieder das Unglück. Der tunesische Kapitän sowie sein syrischer Steuermann wurden bei ihrer Ankunft auf Sizilien festgenommen. Die überlebenden Flüchtlinge stammten unter anderem aus Mali, Eritrea, Bangladesch, Somalia und dem Senegal. Laut Staatsanwaltschaft will die Marine per U-Boot "schnellstmöglich" Fotos und Filmaufnahmen des Schiffswracks machen. So könne festgestellt werden, ob eine Bergung zu Ermittlungszwecken möglich und sinnvoll sei. Ob dabei nur die Leichen geborgen oder das ganze Schiff an die Oberfläche gebracht werden soll, ließ die Ermittlungsbehörde offen. (APA, 23.4.2015)

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