Der Gedanke an die Umwelt fährt mit

30. April 2015, 11:13
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Versicherungen schaffen mit Prämienzuckerln Anreize für die Anschaffung umweltschonender Autos. Noch ist das aber kein Megageschäft

Wien - Der Gedanke an die Schonung der Umwelt und an die Senkung des Spritverbrauchs ist schon lange auch ein Thema im Automobilbereich. Vor allem Versicherungen haben sich des Themas angenommen und fördern Wenigfahrer oder jene, die ein umweltfreundliches Auto kaufen, mit geringeren Prämien.

Ein Beispiel dafür ist die Wiener Städtische, die sowohl einen Klimabonus als auch einen Umweltbonus anbietet. Der Klimabonus gilt für Pkws/Kombis und Klein-Lkws bis 1,5 Tonnen Nutzlast mit einem CO2-Ausstoß bis 160 g/km. Beim Neuabschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung für ein solches Auto gibt es einen Nachlass auf die Prämie von 20 Prozent bis zu einem Ausstoß von 120 g/km und zehn Prozent bei einem Ausstoß bis 160 g/km.

Umweltbonus

Der Umweltbonus gilt für alternative Antriebskonzepte. Für Pkws und Klein-Lkws bis 1,5 Tonnen Nutzlast mit alternativen Antrieben wie Gas, Hybrid, Superethanol (E85) und Strom können Autofahrer beim Abschluss einer Haftpflichtversicherung und Kaskoversicherung einen Prämiennachlass von zehn Prozent generieren. "Der Umweltbonus hilft nahezu schon jedem zweiten Kunden, das Haushaltsbudget zu entlasten", sagt Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen.

Einen Umweltbonus für Wenigfahrer bietet etwa die Uniqa an. Kunden, die weniger als 15.000 Kilometer pro Jahr fahren, können einen Nachlass bei der Prämie von 25 Prozent lukrieren. Ein Zuckerl in Form eines Nachlasses von 25 Prozent bei der Prämie winkt auch Kunden, die sich ein reines Elektroauto anschaffen.

Weniger ist mehr

Unter dem Motto "Weniger ist mehr" bündelt die Helvetia drei Varianten für einen schonenderen Umgang mit der Umwelt. Beim ersten Modell wird der CO2-Ausstoß berücksichtigt. Ist der Schadstoffausstoß geringer als 120 g/km, gibt es einen Rabatt von zwölf Prozent auf die Kfz-Versicherung. Das zweite Modell zielt auf Hybridfahrzeuge ab. Wer sich so ein Fahrzeug anschafft, darf mit einem Nachlass von 20 Prozent auf die Prämie rechnen. Bei einem Elektroauto kann sich laut Modell drei die Prämie um bis zu 50 Prozent verringern - im Vergleich zur Prämie für die Autoversicherung desselben Fahrzeugtyps in der Benzin- und Dieselklasse.

In jedem Fall lohnt ein genauer Blick in die jeweiligen Unterlagen der Versicherungen, denn der Rabatt oder Bonus gilt oft nur für ein paar Monate.

Motive für Neuwagenkauf

Nach welchen Motiven aber kaufen Herr und Frau Österreicher ihre Autos? Ist der Umweltgedanke dabei im Vordergrund?

  • Leasing Personen, die ihr Auto leasen, wollen besonders häufig einen Mittelklassewagen - präferiert wird eine elegante Limousine oder ein SUV, zeigt eine Umfrage der Bawag PSK zu den Motiven beim Autokauf. Leasingkunden sind demnach weniger affin für einen Elektroantrieb als Kredit- oder Barkäufer.
  • Kredit Diese Kunden setzen überdurchschnittlich oft auf die Kompaktklasse, auch Autos aus der Mittel- und Oberklasse sind beliebter als bei Leasingkunden. Hybrid- und Elektroautos kämen zwar überdurchschnittlich oft infrage, würden aber selten gekauft.
  • Barzahler greifen häufiger zu Kleinst- und Kleinwagen und wählen häufiger ein Hybridfahrzeug als Fremdfinanzierer. Häufig geht es bei Barzahlern um den Kauf des ersten Autos.
  • Frauen/Männer Frauen setzen deutlich häufiger auf Klein- oder Kleinstwagen als Männer und wollen vor allem günstigere Fahrzeuge. Frauen greifen auch häufiger zu Benzinmodellen, Männer überwiegend zu Dieselfahrzeugen. Angeschafft wird ein neuer Wagen von Frauen, wenn der alte kaputt ist und sich die Reparatur nicht mehr lohnt. Bei Männern überwiegt meist der Wunsch, ein neueres oder moderneres Auto zu haben. Sie legen deutlich mehr Wert auf moderne Technik beim Autokauf. Bezahlt wird am häufigsten bar - das gilt für beide Geschlechter. Die Umweltfreundlichkeit ist laut der für 23 Prozent der Frauen ein wichtiges Merkmal beim Neuwagen und für 17 Prozent der Männer.
  • Ältere Personen Die Generation 60 bis 69 Jahre greift gerne zu Mittelklassewagen oder Minivans. Elektrofahrzeuge werden (allerdings auf niedrigem Niveau) tendenziell überdurchschnittlich häufig angeschafft oder deren Anschaffung geplant. Die Umweltfreundlichkeit wird vermehrt geschätzt. Als Grund für den Neuwagenkauf dient der Wunsch nach einem neueren, moderneren oder schöneren Auto bzw. nach einem mit einer besseren Sicherheitsausstattung. Noch stärker als in anderen Altersgruppen dominiert bei den Älteren die Barzahlung.

Mit ihren diversen Kreditboxen stellt die Bawag freilich alle genannten Finanzierungsmodelle zur Verfügung. Auch der Umweltaspekt spielt dabei eine Rolle. Dafür hatte das Institut die Variante gewählt, dass CO2-reduzierte Fahrzeuge, die mit der Bawag-PSK-Werbung beklebt wurden, de facto zum Nulltarif finanziert werden konnten. Bereits dreimal gab es diese Aktion in der Bank. Die dritte Beklebungswelle ist Ende März ausgelaufen. Rund 2000 umweltschonendere Autos wurden auf diese Weise finanziert. Intern wird wegen des Erfolgs bereits eine vierte Beklebungswelle angedacht. (Bettina Pfluger, Alexander Hahn, DER STANDARD)

  • Der Gedanke an die Umwelt sitzt auf dem Beifahrersitz. Beim Autoneukauf spielt er allerdings noch selten eine Rolle.
    foto: dpa / felix kästle

    Der Gedanke an die Umwelt sitzt auf dem Beifahrersitz. Beim Autoneukauf spielt er allerdings noch selten eine Rolle.

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