#stolzdrauf, und das ist gut so

Kommentar der anderen23. April 2015, 17:09
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Zuwanderer lassen sich nicht das Recht absprechen, stolz auf Österreich zu sein

In Ihrem Kommentar (Maria Sterkl: "#stolzdrauf: Für dumm vermarktet" vom 17. April 2015) kritisieren Sie die Aktion #stolzdrauf von Integrationsminister Sebastian Kurz, in der ich mich als einer der porträtierten Zuwanderer engagiert habe. Ich selbst bin in der Türkei geboren, lebe seit 1990 in Österreich. Ich habe in diesem Land Chancen bekommen, die ich genutzt habe, und bin heute erfolgreich als Tanzlehrer. Es ärgert mich, dass Sie mir als Zuwanderer vorschreiben wollen, worauf ich stolz sein darf und worauf nicht. Man könnte fast sagen, es ist Diskriminierung. Was haben Sie dagegen, dass ich als Migrant auf den Wiener Walzer oder die schöne Natur stolz bin?

Sie schreiben, die Botschaft der Aktion sei gewesen: "Uns ist egal, wer du bist, was du kannst, wie viele Sprachen du sprichst, welche Geschichten du zu erzählen hast. Solange du die Alpen toll findest und Kaiserschmarrn magst, darfst du auch eine Niete sein - Hauptsache, du bist stolz auf Österreich." Jede und jeder, der Tag für Tag in Österreich arbeitet, etwas tut, einen Beitrag leistet, hilft mit, aus Österreich das zu machen, was es ist. Und darauf kann man dann auch stolz sein. So wie ich das bin. Und so wie tausende Migranten das bei dieser Aktion auf Facebook auch kundgemacht haben. Wenn Sie das Gefühl haben, nichts beizutragen, dann haben Sie freilich auch nichts, um stolz auf Österreich zu sein.

Es geht bei #stolzdrauf aber noch viel mehr, nämlich darum, dass sich in unserem Land jeder seinen Bildungsweg selbst aussuchen kann, dass alle vor dem Gesetz gleich sind und dass hier jeder seine Religion frei wählen und ausüben kann. All das ist für viele Zuwanderer nicht selbstverständlich. Wie wichtig verbindende gemeinsame Werte sind, sieht man deutlich an den Ereignissen der letzten Monate in Europa und der ganzen Welt.

2012 habe ich für den Opernball die Choreografie gemacht. Damals gab es beleidigende Fragen, ob der Ball jetzt zum Türkenball wird. Ich habe gesagt, wenn Leute mit mir nicht zufrieden sind, sollen sie es selbst versuchen. Besser machen statt besser wissen, das ist immer mein Motto gewesen. Deshalb bin ich auch ehrenamtlich Rettungssanitäter und Integrationsbotschafter und tue aktiv etwas gegen Vorurteile, damit Menschen sich gegenseitig eine Chance geben.

Sie meinen, #stolzdrauf sei "platt". Wenn die FPÖ etwas dagegen hat, dass Zuwanderer stolz auf ihre neue Heimat sind, verstehe ich das. Dass auch der STANDARD uns dieses Recht absprechen will, enttäuscht mich sehr. (Ismet Özdek, DER STANDARD, 24.4.2015)

Ismet Özdek ist Tanzmeister, Inhaber der Tanzschule isi-dance in Bruck a. d. L. und war 2012 Opernballchoreograf.

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