Kreativunternehmer sind meist Einzelkämpfer

23. April 2015, 17:11
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Kreativwirtschaft ist dynamisch, bleibt aber klein

Wien - Auf ihnen ruht große Hoffnung: Designer, Architekten, Verlage, Entwickler von Software und Spielen, Künstler, Filme- und Videomacher, Werbeagenturen und Medienexperten. Österreichs Kreativwirtschaft ist Liebling der Politik, wenn es darum geht, die Zukunft des Landes zu beschwören.

Der Kampf um Innovation, sagt VP-Staatssekretär Harald Mahrer, werde nicht mehr zwischen Europa und den USA ausgetragen. Die Amerikaner duellierten sich mittlerweile mit China, Europa spiele da bestenfalls noch die dritte Geige. Rund 285 Milliarden Dollar ließen sich die Chinesen Forschung heuer kosten. In sieben Jahren seien sie mit 600 Milliarden mit den USA gleichauf. Österreich, das andere Rohstoffressourcen entbehre, sei künftig also vor allem auf seine Kreativleistung angewiesen.

Deutliche mehr Betriebe

Und diese scheint auf den ersten Blick auch zu florieren. Zwischen 2008 und 2012 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) nahm die Zahl der Betriebe der Kreativwirtschaft um acht Prozent auf mehr als 39.000 Unternehmen zu. Erlöse und Beschäftigung legten um jeweils zehn Prozent zu: 140.000 Mitarbeiter setzen zuletzt 20 Milliarden Euro um und schafften 8,6 Prozent an Umsatzrentabilität.

Sämtliche Zuwächse liegen erheblich über jenen in der Gesamtwirtschaft, geht aus dem jüngsten Kreativwirtschaftsbericht hervor, der kommende Woche veröffentlich wird. Der Haken dabei: Nach wie vor stellen die Kreativen lediglich vier Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Mehr als 60 Prozent sind Einzelkämpfer. Und die Hälfte ihrer Umsätze spielen sich allein in Wien ab.

Was die Kreativität bremst, sind daher primär Hürden, mit denen sich auch junge Gründer und Ein-Personen-Unternehmen konfrontiert sehen. So sehr die Kreativen als wesentlicher Wirtschaftsfaktor gepriesen werden, so gering ist der politische Rückhalt, den die steigende Zahl an kleinen Selbstständigen spürt. Viele sehen sich etwa im Netz der Sozialversicherung, das zuletzt in kleinen Schritten reformiert wurde, gefangen.

Mahrer kann dem langjährigen Ruf nach Absenkung der Mindestbeitragsgrundlage für die Kleinstbetriebe nichts abgewinnen. "Das Solidarsystem beruht darauf, dass alle in den Topf einzahlen." Österreich könne keine Debatte darüber gebrauchen, wer was bezahle und wer wie viel bekomme.

Angst vor Missbrauch

Was Gründer betrifft, hält er eine Befreiung von Lohnnebenkosten für die ersten drei bis fünf Mitarbeiter über drei Jahre für realistisch. Voraussetzung sei, dass sich ein Modell finde, dass Missbrauch verhindere. "Wir tüfteln daran."

Die schwache Konjunktur spiegelt sich auch in den Kreativberufen wider. Generell sind ihre Betriebe zwar optimistischer als der Rest der Wirtschaft. 44 Prozent der Kreativen sahen im Zuge einer Befragung im Herbst dennoch eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Klimas. Bei Investitionen und Beschäftigung wollen sie sich daher auch heuer zurückhalten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 24.4.2015)

  • Österreich sei auf die Kreativwirtschaft angewiesen, sagt Staatssekretär Harald Mahrer
    foto: apa/hans klaus techt

    Österreich sei auf die Kreativwirtschaft angewiesen, sagt Staatssekretär Harald Mahrer

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