Genozid-Erklärung: Regierung rechnet mit Konsequenzen

23. April 2015, 21:10
94 Postings

Kurz verteidigt Erklärung der Parteien zu Armeniern

Ankara/Wien - Die Türkei ist nachhaltig verstimmt über die Erklärung aller Parteien im Nationalrat zum Völkermord an den Armeniern 1915; und zwar so verstimmt, dass der Botschafter in Wien am Mittwochabend "zu Konsultationen" nach Ankara gerufen und der österreichische Botschafter ins türkische Außenamt zitiert wurde. "Das österreichische Parlament hat weder das Recht noch die Kompetenz, die türkische Nation eines Verbrechens in einer Weise zu beschuldigen, die im Gegensatz zu den Gesetzen und der historischen Wahrheit steht", hieß es in einem schriftlichen Statement.

Außenminister Sebastian Kurz sagte zum STANDARD: "Das Parlament ist die gewählte Vertretung des österreichischen Volkes und daher das genau richtige Gremium für eine solche Erklärung. Diese ist auch von Ankara zu respektieren." In diplomatischen Kreisen in Wien wird mit konkreten Reaktionen seitens der Türkei gerechnet. In Ankara würden bereits Sanktionen überlegt.

Demo in Wien geplant

Heute, Freitag, wird in Eriwan und Istanbul - freilich unterschiedlich - der Ereignisse vor 100 Jahren gedacht. Am Abend findet in Wien ein "March for Justice" statt, der vor dem Parlament enden soll. Zugleich rufen einige türkische Verbände zu einer Gegendemo mit Abschlusskundgebung am Heldenplatz auf. (red, DER STANDARD, 24.4.2015)

Share if you care.