Der Kampf um den Ulrichsberg

23. April 2015, 18:28
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Die Stadt Klagenfurt hat Tilo Berlins Privatstiftung Mons Carantanus, der ein großer Teil des Hausberges der Stadt gehört, und die Ulrichsberg-Gemeinschaft geklagt. Seit Jahren streitet man über Wanderwege, Bankerln und Servitutsrechte

Mons Carantanus heißt auf Lateinisch so viel wie Kärntner Berg und ist auch der Name jener Privatstiftung, in der Ex-Hypo-Vorstand Tilo Berlin und die Familie seiner Frau, die schon seit Generationen am Ulrichsberg ansässige Familie Goëss, Stifter sind. Der Kärntner Berg, um den es geht, ist heute landläufig unter dem Namen Ulrichsberg bekannt. Er erhebt sich nördlich von Klagenfurt und hat einen einschlägigen Ruf, weil sich dort gerne rechte und rechtsextreme Männer zum Gedenken trafen. Allerdings nur einmal im Jahr. Das übrige Jahr über war der Berg schon lange vor allem eines – der Hausberg der Klagenfurter und ein Naherholungsgebiet für die Städter. Durch das Servitutsrecht haben diese auch ein Nutzungsrecht als Wanderer auf den Berg. Weil man dieses angeblich nicht mehr ungestört nutzen konnte, brachte die Stadt Klagenfurt letzte Woche eine Besitzstörungsklage ein. Die neue Klagenfurter Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) unterrichtete am Mittwoch den Stadtsenat davon.

Sitzbänke abmontiert

"Es ist unglaublich, mit welchen Mitteln man die Bevölkerung aus einem Naherholungsgebiet auszusperren versucht", so Mathiaschitz in einer Aussendung nach der Stadtsenatssitzung am Dienstag erzürnt; sie erklärt, "dass wir uns das nicht gefallen lassen".

Wanderwege sollen durch umgelegte Bäume blockiert worden sein, zugespitzt habe sich die Situation nun, nachdem auch noch ein Schloss von einem Gatter einfach ausgetauscht worden sei, weswegen die Stadt die Wanderwege nicht mehr pflegen könne, heißt es aus dem Büro von Mathiaschitz. Außerdem habe man Sitzbänke, die die Stadt auf dem Gipfel aufstellen ließ, abmontiert und abtransportiert.

Etwa das obere Drittel des Berges gehört Berlins Privatstiftung. Wer also auf den Gipfel will oder von einer Seite des Berges auf die andere, der quert das Gebiet des Mons Carantanus.

Alte Wanderwege

Unter anderem führt ein Wanderweg, der schon fast 200 Jahre alt ist, über die sogenannte Ulrichsberger Alm. Schon vor Jahren begann man seitens der Stiftung damit, diesen bei Wanderern besonders beliebten Weg abzusperren. Man konnte nur mehr entlang von Zäunen einen Blick auf Teile der Ulrichsberger Alm erhaschen.

In der Aussendung von Mathiaschitz ist nur von der Privatstiftung die Rede, gegen die nun ein Rechtsstreit bereits in die zweite Runde gehe. Doch auf Nachfrage beim Anwalt der Stiftung, Markus Huber, sagt dieser zu derStandard.at: "Von abmontierten Bänken wissen wir nichts, auch von keinem abmontierten Schloss." Überhaupt soll die Stadt Klagenfurt nicht nur die Privatstiftung Mons Carantanus, sondern auch die Ulrichsberg-Gemeinschaft, deren Existenzzweck früher die Ausrichtung des einschlägigen Treffens war, angezeigt haben.

In einem Schreiben an Mathiaschitz, das derStandard.at vorliegt, habe man das der Bürgermeisterin auch mitgeteilt. Darin wird auch festgehalten, dass keine Wege blockiert worden sein sollen. "Tatsache" sei, dass die Besitzstörungsklage "einen bestimmten Weg betrifft, der durch einen Felssturz verlegt ist, sodass eine Zufahrt zur Ulrichsberggedenkstätte darüber nicht einmal theoretisch möglich ist, sodass die Klagsführung zu keinem sinnvollen Ergebnis führen kann".

Balken statt Bänken

Huber geht dafür zum Gegenangriff über: Die Stadt Klagenfurt habe schwer "kontaminierte Balken" am Gipfel nahe der Ulrichsberg-Gedenkstätte als Absturzsicherung eingebaut und entferne diese nicht. "Trotz eines Gutachtens der Holzforschung Austria", so Huber. Sogar das Trinkwasser solle durch die Balken gefährdet sein.

Das Büro Mathiaschitz war für eine Stellungnahme zu der Causa nicht erreichbar.(Colette M. Schmidt, derStandard.at, 23.4.2015)

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