Wie nachhaltige Investments analysiert werden können

29. April 2015, 11:29
1 Posting

RFU-Chef Reinhard Friesenbichler über Datenquellen und Notenvergabe

Wien - Investoren können auf der Suche nach nachhaltigen Investmentchancen nicht selbst alle Unternehmen und Länder auf bestimmte Kriterien hin überprüfen. Diese Aufgabe übernehmen spezialisierte Ratingagenturen wie etwa die deutsche Oekom Research AG oder RepRisk aus Zürich. In Österreich filtert die 1997 von Reinhard Friesenbichler gegründete nachhaltige Ratingagentur RFU Indizes und Länder auf dieses Thema.

Anhand eines selbst entwickelten Systems wird ein Rating erstellt. 100 Kriterien, die in 400 messbare Indikatoren aufgedröselt werden, werden mit diesem System überprüft. Ist das Kriterium "Sicherheit am Arbeitsplatz", so sind die messbaren Unterkategorien etwa: Unfallstatistik, Krankenstandstage der Mitarbeiter, Maßnahmen zur Vorbeugung oder Sicherheitsschulungen.

Vorgehensweise

"Die Daten dafür beziehen wir von mehreren Quellen", sagt Friesenbichler zum "Standard". Dazu gehörten Geschäftsberichte, Websites der Unternehmen, Medienberichte, Fachgewerkschaften, der Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens aber auch NGOs oder Greenpeace. Bleiben danach noch Fragen offen, "kontaktieren wir die Unternehmen direkt damit", sagt Friesenbichler. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es trotz der vielen Quellen nie, räumt der Experte ein. Die Erstanalyse eines Unternehmen dauere rund eine Woche, Updates rund zwei bis vier Tage.

Bei der Analyse werden alle Kriterien aggregiert und je nach Unternehmen geordnet. So würde der Bereich Menschenrechtsverletzungen bei einem Schweizer Unternehmen, das nur vor Ort produziert, weniger stark gewichtet als bei einem, das in den Emerging Markets produziere.

Neunstufige Skala

Die Ergebnisse der Analyse werden auf einer neunstufigen Skala abgebildet, die von A+ bis C- reicht. "Alles, was größer als B+ ist, ist für nachhaltige Investoren in der Regel investierbar", erklärt Friesenbichler. Es komme freilich darauf an, welchen Ansatz etwa ein Fondsmanager verfolge.

Auf ein A+ als Gesamtwertung kämen allerdings nur wenige Unternehmen, "denn niemand kann in jedem Bereich top sein", so der Agentur-Chef. Rund zehn Prozent der vergebenen Ratings spielten sich im Bereich B+ ab, etwa 30 Prozent bei B. (bpf, DER STANDARD, 24.4.2015)

Share if you care.