Vom grünen Mascherl zur nachhaltigen Veranlagung

24. April 2015, 09:00
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Der Trend zur Nachhaltigkeit nimmt auch bei der Veranlagung von Geldern zu. Nicht immer werden strenge Ausschlusskriterien verfolgt

Wien – Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Egal, ob es um den täglichen Einkauf, das Agieren von Unternehmen oder das Veranlagen von Geld geht – immer mehr Menschen wollen ein gutes Gewissen bei dem, was sie tun, kaufen oder veranlagen. Vor allem in der Geldanlage wird dieser Ansatz zu einem immer größeren Feld. "Bei nachhaltigen Veranlagungen gibt es eine brüllende Entwicklung", fasst Ernst Krehan, Geschäftsführer von Schelhammer & Schattera die Lage zusammen.

In Europa sind die in nachhaltige Produkte investierten Gelder von 2012 bis 2014 um 55 Prozent auf 13,6 Billionen Dollar (12,6 Bio. Euro) gestiegen, zeigt der aktuelle Report von Global Sustainable Investment Alliance (siehe PDF links). In den USA lag der Anstieg im selben Zeitraum bei 76 Prozent auf 6,5 Bio. Dollar. Betont werden muss aber, dass die Märkte in den vergangenen Jahren in Summe sehr gut gelaufen sind.

Unterschiedliche Ansätze

Mit den zunehmenden Volumina in dieser Anlageklasse sammelten sich aber auch immer mehr unterschiedliche Ansätze. "Viele reden mittlerweile von Green drawing oder Etikettenschwindel, weil manche Ansätze sehr dünn sind", sagt Krehan zum STANDARD. Anleger müssten sich daher gut erkundigen und sich immer auch die Frage stellen, wie gesamtheitlich sie einen Ansatz betrachten.

Ein Beispiel, das immer wieder diskutiert wird, ist Apple. Das Unternehmen selbst setzt viel auf Nachhaltigkeit. So sollen aktuell 848 Mio. Dollar in eine Solaranlage investiert werden, die das Unternehmen im Silicon Valley, ein Datenzentrum und 52 Apple-Geschäfte mit grüner Energie versorgen soll. Andererseits kommt der Konzern ob der Probleme bei seinen Zulieferern aus Niedrigstlohnländern oder des steuerschonenden Standorts in Irland immer wieder in die Kritik.

Nicht schwarz oder weiß

Ist Apple also ein Titel, der in einen nachhaltigen Fonds darf? "Bei uns nicht", sagt Krehan. Denn bei der auf ethische Investments spezialisierten Bank werde ein sehr strenger Ansatz bei den Ausschlusskriterien verfolgt. Menschenrechtsverletzungen oder kontroversielle Wirtschaftspraktiken (darunter fällt ein steuerschonender Sitz im Ausland) führen zum Ausschluss. Bei anderen Fonds in der Branche sei das nicht immer so, da sei Apple enthalten.

Einen Anspruch auf 100-Prozent-Nachhaltigkeit gebe es dennoch nie, sagt Krehan. Die Welt könne eben nicht so leicht in Schwarz-Weiß eingeteilt werden. Das Thema sei nicht standardisierbar. So gebe es mittlerweile Fonds, die sich nur wenige Ausschlusskriterien auferlegten, die dann auch leicht zu erfüllen seien – diese Fonds hätten naturgemäß auch ein größeres Universum, aus dem Titel selektiert werden können. Aus den rund 4000 Emittenten, die für nachhaltige Titel infrage kommen, filtert Schelhammer & Schattera rund 500 Titel heraus, aus denen gewählt wird. Der Rest kommt nicht in die Portfolios. Auch bei Staatsanleihen gibt es strenge Kriterien. "Die meisten Länder werden wegen der Atomenergie ausgenommen", sagt Krehan. Selbst in Europa gebe es bei Staatsbonds ein Problem, da Korruption als kontroversielle Wirtschaftspraktik gilt. Kaufbar sind in Europa laut Krehan derzeit nur noch Staatsanleihen aus Österreich, Deutschland, Finnland und Irland. Einen Staatsanleihenfonds könne man damit nicht füllen.

Auch auf Unternehmensebene beschäftigten sich immer mehr Manager mit der Frage, wie Nachhaltigkeit umzusetzen ist. Das hat laut Krehan zwei Wurzeln. Erstens hätte man erkannt, dass am Klimawandel etwas dran sei und zweitens würden Firmen für Fehlverhalten mittlerweile hart bestraft. Ein Beispiel ist BP, die für die Ölpest im Golf von Mexiko infolge der im April 2010 explodierten Ölplattform Deepwater Horizon bisher laut Eigenangaben 42 Mrd. Dollar für Strafen, Aufräumarbeiten und Entschädigungen bezahlen mussten. 14 Milliarden drohen noch wegen der Umweltschäden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 24.4.2015)

  • Der Trend zum ökologischen Veranlagen wird weiter zunehmen. Darin sind sich Experten einig. Die wachsende Produktvielfalt schafft aber auch Unübersichtlichkeit.
    foto: dpa/bernd wüstneck

    Der Trend zum ökologischen Veranlagen wird weiter zunehmen. Darin sind sich Experten einig. Die wachsende Produktvielfalt schafft aber auch Unübersichtlichkeit.

  • Global Sustainable Investment Alliance Review 2014

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