WWF bringt Finanz auf grünen Zweig

28. April 2015, 09:00
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Der Verein World Wide Fund For Nature (WWF) kooperiert mit Unternehmen der Finanzbranche, um das Thema Nachhaltigkeit auch bei der Geldanlage zu verankern

Wien - Nach Kooperationen im Bereich Lebensmittel und Handel versucht die Naturschutzorganisation WWF, nun auch in der Finanzbranche durch Zusammenarbeit verstärkt Fuß zu fassen. "Der Finanzsektor ist für unsere Arbeit sehr relevant, er hat Einfluss auf fast alle Dinge, die wir tun", erklärt Thomas Kaissl, WWF-Bereichsleiter Umwelt und Wirtschaft in Österreich. Doch verglichen mit dem Lebensmittelsektor ortet er noch ein geringeres Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Bevölkerung: "Die Leute denken nicht um die Ecke. Wie und wofür ihr Geld angelegt wird, wird oft gar nicht beachtet."

Dem versucht der WWF durch gezielte Kooperationen entgegenzuwirken und eine Signalwirkung auf den Rest der Branche auszustrahlen, etwa durch eine seit 2010 bestehende Zusammenarbeit mit der Allianz Versicherung. Um deren Veranlagungen in Höhe von sieben Mrd. Euro einen nachhaltigen Anstrich zu verpassen, hat die Naturschutzorganisation gemeinsam mit 40 anderen Institutionen ein Indikatorenset erstellt. "Damit erfassen wir den Bereich Nachhaltigkeit in seiner ganzen Breite", sagt Kaissl.

No-Go Kohleabbau

Steht die Ampel nach der WWF-Prüfung für ein bestimmtes Investment auf Rot, besteht Handlungsbedarf. "Kohleabbau ist etwa ein absolutes No-Go und hat im Sinne des Klimawandels in einem nachhaltigen Portfolio nichts verloren", erklärt Kaissl. Die Folge: Diese Veranlagungen werden durch Investitionen in erneuerbare Energien ersetzt.

Bis 2020 will die Allianz Österreich ihre Veranlagungen zu fast 90 Prozent auf nachhaltige Investments umgestellt haben, zehn Jahre darauf soll der Anteil auf 95 Prozent angewachsen sein. Dadurch erhofft sich die Assekuranz ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz.

Rendite als Verkaufsschlager

Ebenso bereits am Laufen ist eine Kooperation mit der Erste Group und der Fondstochter Erste Sparinvest, die auf zwei Säulen basiert. Einerseits ebenfalls im Anlagebereich, wo zwei eigene WWF-Investmentfonds ausgestaltet wurden. "Das ist eine der strengsten Geschichten, die es in diesem Bereich gibt", hebt Kaissl diesbezüglich die Ausschlusskriterien für die Veranlagungen hervor. Kern- und Gentechnologie, Rüstungsindustrie, fossile Energieträger sowie Unternehmen, die Kinderarbeit dulden und Menschen diskriminieren, bleiben außen vor.

Zudem verweist Kaissl auf die überdurchschnittliche Performance der beiden Produkte: "Damit können wir dem weitverbreiteten Argument entgegentreten, dass bei nachhaltigen Investments die Rendite auf der Strecke bleibt. Beide Fonds zeigen, dass das Ganze aufgeht und eine entsprechende Performance erzielt werden kann."

Ökologische Zeichensetzung

Zudem kooperiert die Erste Group auch im Kerngeschäft mit dem WWF. Dazu durchleuchtet das Institut den eigenen Ressourcenverbrauch und die Emissionen. Durch die Umstellung auf Ökostrom konnten die CO2-Emissionen des Bankkonzerns in den vergangenen zwei Jahren um rund 60 Prozent reduziert werden.

Eine "banale Möglichkeit, um im Bereich Ökologie ein Zeichen zu setzen", hat der WWF mit der Easy Bank auf den Markt gebracht, nämlich eine biologisch abbaubare Kreditkarte auf Zellulosebasis. Dabei zahlt die Bank laut Kaissl pro Karte einen gewissen Betrag für WWF-Projekte ein.

Auch bei den anderen Kooperationen fließt Geld in Richtung WWF, der in Österreich zu 70 Prozent durch Spenden finanziert wird. Der Rest entfällt auf öffentliche Mittel und Gelder von Unternehmen, darunter auch die Entgelte der Kooperationen. "In Summe reden wir von einem niedrigen sechsstelligen Betrag pro Jahr, der dadurch in unsere Naturschutzprojekte fließt, hebt Kaissl den finanziellen Nutzen hervor.

Neidiger Blick nach Westen

Gerne würde der WWF den Bereich Finanz-Kooperationen ausbauen - oft scheitert es laut Kaissl an dem Argument, dass Kunden nachhaltige Investments nicht nachfragen würden: "Diesbezüglich schauen wir neidig zu WWF-Kollegen in Deutschland und der Schweiz. Die Kombination Nachhaltigkeit und Finanz wird zwar auch in Österreich mehr, kommt aber von bescheidenem Niveau." (Alexander Hahn, DER STANDARD, 24.4.2015)

  • Bären sind an den Finanzzentren grundsätzlich nicht gern gesehen. Im Fall des WWF-Wappentiers Panda machen einige Branchenvertreter eine Ausnahme.
    foto: epa / david chang

    Bären sind an den Finanzzentren grundsätzlich nicht gern gesehen. Im Fall des WWF-Wappentiers Panda machen einige Branchenvertreter eine Ausnahme.

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