Ärzte ohne Grenzen starteten Kampagne zur Impfstoffkostensenkung

23. April 2015, 14:05
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Transparenz über Preise gefordert - In etwa 45 Ländern gebe es keine Information über die Kosten für den Pneumokokken-Impfstoff

Wien - Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres/MSF) hat am Donnerstag eine weltweite Kampagne zur Senkung von Impfstoffkosten gestartet. Mit "A fair Shot" werden die Pharmakonzerne GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer aufzufordern, den Preis für Pneumokokken-Impfstoff in ärmeren Ländern radikal auf fünf US-Dollar (4,65 Euro) pro Kind zu senken.

Zudem sollen die Konzerne offenlegen, wie viel die Impfstoffe derzeit in den unterschiedlichen Ländern kosten. Nur so könnten mehr Kinder vor dieser tödlichen Krankheit geschützt werden, die eine der Hauptursachen für Kindersterblichkeit darstellt.

Im Jänner hat Ärzte ohne Grenzen den Bericht über Impfstoffpreise "The Right Shot Report: Bringing Down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines" veröffentlicht, der aufgezeigt hat, dass sich die Impfkosten für ein Kind in den ärmsten Ländern seit 2001 um das 68-fache erhöht haben und sich viele Länder neue hochpreisige Impfstoffe wie jene gegen Pneumokokken, die jährlich etwa einer Million Kinder das Leben kosten, nicht leisten können.

Fehlende Transparenz des Impfstoffmarktes

"Wir sind Ärzte und haben zu viele Kinder atemringend an Lungenentzündung sterben gesehen. Daher fordern wir jeden auf, dem das Leben von Kindern etwas bedeutet, sich an unserer Kampagne zu beteiligen und Pfizer und GSK aufzurufen, zu gewährleisten, dass arme Länder ihre Babys vor dieser tödlichen Krankheit schützen können", sagte Greg Elder, Leiter der Hilfseinsätze von Ärzte ohne Grenzen in Paris. "Die sehr hohen Preise, die Pfizer und GSK für den Pneumokokken-Impfstoff verlangen, machen es vielen Regierungen und humanitären Organisationen unmöglich, Kinder zu impfen."

Eine Ursache für den massiven Anstieg der Impfpreise sei laut der Hilfsorganisation auch die fehlende Transparenz des Impfstoffmarktes. Dadurch werden Verhandlungen mit den Herstellern für arme Länder und Hilfsorganisationen erschwert, die keine Preise vergleichen können. Einige Länder müssten demnach Vertraulichkeitsklauseln unterschreiben und dürften so ihre Kosten für die Impfstoffe nicht offenlegen.

In etwa 45 Ländern gebe es keine Information über die Kosten für den Pneumokokken-Impfstoff. "Geheimhaltung und die fehlende Transparenz" verhindern faire Preise für Impfungen. Das führe so weit, dass Länder mit mittlerem Einkommen mehr für die Pneumokokken-Impfung zahlen als reiche Länder. (APA, 23.4.2015)

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