Opfer des Genozids in Armenien in "Märtyrerstand" erhoben

23. April 2015, 13:22
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Weder katholische Kirche noch orthodoxe und altorientalische Kirchen haben je eine so große Zahl von Menschen kollektiv heiliggesprochen

Eriwan – Mit der Grundsteinsegung für den neuen "Dom der Märtyrer des Völkermords" auf dem zentralen Komitas-Platz in Eriwan hat das armenische Kirchenoberhaupt Katholikos-Patriarch Karekin II. am Mittwoch die großen Zeremonien zum 100. Jahrestag des Beginns des Völkermords 1915-1917 eröffnet. An der Segnungsfeier nahm auch Staatspräsident Sersh Sarksyan teil, wie Kathpress berichtete.

Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) hatten die Heiligsprechungsfeiern auf dem Platz vor der Hauptkathedrale begonnen. Die Opfer des Völkermords wurden dabei in den "Märtyrerstand" erhoben. Weder die katholische Kirche noch orthodoxe und altorientalische Kirchen haben je eine so große Zahl von Menschen kollektiv heiliggesprochen.

Keine genaue Bezifferung

Die armenische Kirche selbst beziffert die Zahl der neuen Heiligen nicht. Kanonisiert würden alle Opfer, "die für ihren Glauben und ihre christliche Identität ihr Leben ließen", sagte der für die ökumenischen Beziehungen der Kirche zuständige Bischof Hovakim Manukyan am Mittwoch gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Es gebe auch Heilige unter denen, die den Völkermord überlebt hätten, wenn sie wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt wurden. Einige Armenier seien gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren, besonders junge Mädchen, die als Geiseln genommen wurden, so der Bischof.

Die geplante große Kuppelkirche in Eriwan wurde von Architekt Artak Ghulyan entworfen, der Bau wird von Großspendern finanziert. Am Mittwoch waren auch zahlreiche Ökumenevertreter - mit den Patriarchen Kyrill I. (Moskau), Tawadros II. (Kairo) und Beshara Rai (Beirut) an der Spitze sowie Kardinal Kurt Koch als Vatikanrepräsentant - in Armenien eingetroffen. Am Abend fand unter Leitung des Katholikos eine Vesper mit den Gästen aus den Kirchen in der Hauptkathedrale von Echmiadzin (Etschmiadsin), dem "Armenischen Vatikan", statt. (APA, 23.4.2015)

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