Roboter kaufte Drogen im Darknet: Keine Strafe für Schweizer Künstler

26. April 2015, 09:21
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Shoppingtour nach Zufallsprinzip - Polizei konfiszierte Maschine von "Bitnik" vorübergehend

Vergangenes Jahr machte sich eine Schweizer Künstlerkollektiv namens "!Mediengruppe Bitnik" auf, in aktionistischer Form das Darknet zu erforschen. Das Darknet, oft auch "Deep Web" oder "Hidden Web" genannt, ist jener Teil des Internets, der konventionellen Suchmaschinen verborgen bleibt. Hier existieren verschiedene Umschlagplätze, auf denen mitunter mit illegalen Gütern gehandelt wird.

100 Dollar Budget in Bitcoins

Einer dieser Marktplätze nennt sich "Agora". Bitnik hat einen Algorithmus namens "Random Darknet Shopper" entwickelt, der in der Lage ist, auf dieser Plattform nach Zufallsprinzip einzukaufen. Für seine Shoppingtour erhielt er wöchentlich ein Bitcoin-Budget im Gegenwert von 100 US-Dollar und ließ ein interessantes Sammelsurium an Waren zur Kunsthalle in St. Gallen liefern – bis schließlich die Polizei einschritt.

Im vergangenen Januar wurden Beamte beim Standort der Bot-Installation vorstellig. Sie konfiszierten den Laptop, auf dem das Programm lief sowie alle bis dahin angelieferten Produkte.

Gefälschter Pass und Ecstasy

Wie der Guardian schreibt, hatte der Shopping-Roboter bis dahin unter anderem gefälschte Diesel-Jeans, Schuhe von Nike, eine zur Spardose umfunktionierte Limonadendose, Zigaretten und eine Kappe mit versteckter Kamera erworben. Auch einen gefälschten ungarischen Ausweis sowie Ecstasy-Tabletten hatte er erfolgreich bestellt.

Keine Anzeige

Für die Künstler hatte die Angelegenheit aber einen erstaunlich glimpflichen Ausgang. Vor kurzem wurden der Laptop und fast alle Einkäufe wieder an die Mediengruppe Bitnik ausgehändigt. Lediglich die Drogen wurden von den Behörden zerstört. Eine Anzeige wird es nicht geben, wie die Polizei bestätigte.

"Das ist ein großer Tag für den Bot, für uns und die Freiheit der Kunst", erklärte das Kollektiv dazu in einem Blogeintrag. Die Behörden haben sich der Ansicht angeschlossen, dass die MDMA-Tabletten ein angemessenes Mittel sein, um im Sinne des öffentlichen Interesses eine Diskussion über das Darknet anzuregen.

"Bitnik hatte niemals vor, die Drogen zu verkaufen oder zu konsumieren", so ein Polizeisprecher. Daher habe man von einer Bestrafung abgesehen, obwohl man von dem Projekt vorab nicht informiert gewesen sei. (gpi, 26.04.2015)

  • Der Random Darknet Shopper und ein Teil seiner Einkäufe.
    foto: !mediengruppe bitnik

    Der Random Darknet Shopper und ein Teil seiner Einkäufe.

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