"Entfernen Sie diesen Artikel": ROG zeigt Chinas Zensur auf

23. April 2015, 18:38
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Reporter ohne Grenzen protestiert mit Veröffentlichung von Dokument des Zensurapparats und fordert Enthaftung kritischer Journalistin

Wien/Belgrad/Peking - Die Pressefreiheit hat kommende Woche wieder ihren Welttag: Am 3. Mai erinnern Menschenrechts- und Medienorganisationen an die brutalen und weniger offensichtlich radikalen Angriffe auf freie Meinungsäußerung.

Dusan Masic, Journalist in Belgrad, wird in diesen Tagen mit Prügeln und Mord bedroht. Er hat auf Twitter zu einer Aktion zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica aufgerufen. Am 11. Juli 1995 haben serbisch-bosnische Truppen rund 8000 muslimische Bewohner der Stadt brutal ermordet. Ebenso viele Menschen sollen der Opfer vor dem serbischen Parlament liegend gedenken.

"Entfernen Sie diesen Artikel von jeder Webseite": Behördliche Zensuranweisungen wie diese veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen aus Protest gegen das jüngste "Willkürurteil" gegen die 71-jährige Journalistin Gao Yu. Sie war, wie berichtet, zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie ein internes KP-Dokument weitergegeben habe - offenbar eines, das vor den Gefahren von Menschenrechten und Pressefreiheit warnt.

Eritrea und Nordkorea

Das New Yorker Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) reihte zuletzt - Ende Jänner - die meistzensurierten Staaten weltweit. Das CPJ berücksichtigte Maßnahmen wie Einsperren und Einschüchtern von Journalisten, restriktive Gesetze und Beschränkungen des Internetzugangs.

Eritrea schränke Pressefreiheit am dramatischsten ein, zumindest 23 Journalisten seien dort ohne Anklage in Haft. Der vorletzte Rang in der CPJ-Zensurliste geht an Nordkorea, gefolgt von Saudi-Arabien, Äthiopien, Aserbaidschan, Vietnam, Iran, China Myanmar und Kuba.

Die Präsidenten der deutschsprachigen Verlegerverbände aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz veröffentlichten gerade eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel "Es ist unverzichtbar, jeden Tag für die Pressefreiheit einzustehen". Medien dürften sich durch die Attentate in Paris und Kopenhagen "weder provozieren noch einschüchtern lassen". (red, DER STANDARD, 24.4.2015)

  • Gao Yu wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Proteste gegen ihre Inhaftierung gab es auch in Hongkong.
    foto: reuters/siu

    Gao Yu wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Proteste gegen ihre Inhaftierung gab es auch in Hongkong.

  • Das chinesische Geheimdokument, das Reporter ohne Grenzen veröffentlichte - mit englischer Übersetzung.

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