Morgenschauen: Der ORF frühstückt nur ambulant

22. April 2015, 17:38
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Grundsatzentscheid für Früh-TV der Länder ist gefallen - Richtig starten soll die Schiene dann im Frühjahr 2016

Wien - Die Richtung ist seit Mittwoch geklärt: Frühstücksfernsehen des ORF wird ein Wanderzirkus, der Werktag für Werktag von Gemeinde zu Gemeinde tingelt. Das ist laut ORF-Chef Alexander Wrabetz nun intern "common sense".

Auch das Wer ist nun klar: Die ORF-Landesstudios übernehmen das Morgenschauen von Schrems bis Schruns. Das Wie ist Teil des Konzepts: wohl mit einem mobilen Studio in einem fetten Truck, was enge Orte wie das Tiroler Bschlabs eher ausschließen dürfte.

Der Sonne entgegen

Das Wann ist seit Mittwoch laut Wrabetz ebenfalls geklärt: Zum Nationalfeiertag 2015, wie erst geplant, wird es höchstens ein "Vorläuferprogramm" als Vorgeschmack geben. Richtig starten soll das Frühstücksfernsehen des ORF im Frühjahr 2016, wenn es zwischen 6 Uhr und 9 Uhr schon Chancen auf den einen oder anderen Sonnenstrahl gibt. Die Hoffnung: Wenn dann der Herbst ins Land zieht und die Finsternis zäher wird, hat sich das Publikum schon ans Frühstücken mit dem ORF schon gewöhnt.

Die Wahlen voraus

Mit Frühjahr 2016 kommt das Frühstücksfernsehen gerade zeitgerecht für die Bestellung der nächsten ORF-Führung im Sommer 2016. Neun der 35 Stiftungsräte, die darüber entscheiden, sind von den Bundesländern entsandt, ein wesentlicher Faktor.

Damit wäre auch ein wesentlicher Teil des Warum geklärt. Gleich drei Landesdirektoren leiten nunmehr das Projekt: Roland Brunhofer (Salzburg), Karlheinz Papst (Burgenland) und Norbert Gollinger (Niederösterreich), in der ORF-Zentrale koordiniert Alex Hofer ( Seitenblicke, Neun Plätze neun Schätze), zudem Regionalinfo-Koordinator Robert Ziegler.

Finanzierungszusage mit Vorbehalt

Im Juni will Wrabetz endgültig über das Go entscheiden, und das ORF-Wahljahr 2016 spricht dafür. Es gilt freilich, noch sieben oder mehr Millionen im Finanzplan 2016 dafür freizuschaufeln; manche ORF-Quellen sprechen auch von an die zehn Millionen - Wrabetz versichert, das Budget bleibe in einstelliger Millionenhöhe.

Dazu kommt noch: Sitzungsteilnehmer berichten, ORF-Finanzdirektor Richard Grasl habe seine Finanzierungszusage für das Projekt von "überzeugenden Konzepten" abhängig gemacht.

Spätestens 2016 muss der ORF turnusmäßig seinen Gebührenbedarf ermitteln und anpassen. Das bedeutete bisher stets: Erhöhung. Die kommt üblicherweise erst nach Generalswahlen. (fid, DER STANDARD, 23.4.2015)

  • Ende Februar zeigte ORF-Chef Alexander Wrabetz seinen Publikumsräten schon  ein erstes Logo für "Guten Morgen Österreich".
    foto: fid

    Ende Februar zeigte ORF-Chef Alexander Wrabetz seinen Publikumsräten schon ein erstes Logo für "Guten Morgen Österreich".

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