Studie: Österreich immer weniger wettbewerbsfähig

23. April 2015, 05:30
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Vergleichsweise hohe Teuerung und überdurchschnittlich steigende Lohnstückkosten als Gefahr

Wien - Seit Christoph Leitls Sager, Österreich sei abgesandelt, gehen die Wogen in puncto Standortattraktivität hoch. Gute Beschäftigungslage und gesunde Staatsfinanzen werden gerne hervorgestrichen, um die Aussagen des Wirtschaftskammerpräsidenten zu entkräften. In internationalen Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit hingegen verliert das Land seit Jahren tendenziell an Boden.

Nun hat sich der Thinktank Eco Austria mit der Thematik befasst und läutet ebenfalls die Alarmglocken: Die Ausgangslage sei zwar gut, doch "der Rückfall der österreichischen Wirtschaft in wettbewerbsrelevanten Bereichen hat bereits erste Rückwirkungen auf die relative Performance Österreichs", schreiben Institutschef Ulrich Schuh und seine Kollegen in einer neuen Untersuchung.

Als Beispiele werden das deutlich hinter Deutschland zurückliegende Exportplus und das schwache Wachstum genannt - bei letzterem Punkt rangiert Österreich an fünftletzter EU-Position. Doch es dürfte noch schlimmer kommen, wirken sich doch Verschlechterungen bei der Wettbewerbsfähigkeit zeitverzögert nachteilig aus, wie Schuh festhält. Nachsatz: "Erfahrungsgemäß sind die Folgewirkungen für die betroffenen Volkswirtschaften nur mühsam zu korrigieren."

Zurückgefallen

In der Sache wird der Zusammenhang von Inflation und Produktivität in den Mittelpunkt der österreichischen Problematik gestellt. In Europa weist Österreich gemeinsam mit Spanien in den letzten zehn Jahren die höchste Teuerung auf, die fließe wiederum über die Lohnverhandlungen auf die Kostendynamik, meint Schuh. Die nominellen Lohnstückkosten sind seit 2005 um ein Fünftel gestiegen, nur in Schweden war die Steigerung größer. Nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch Frankreich ist Österreich damit zurückgefallen.

Ein Blick in EU-Statistiken bestätigt die Aussage insbesondere für die letzten Jahre. Seit 2012 steigen die Lohnstückkosten auch real, also nach Abzug der Inflation, in Österreich deutliche rascher als in der Union. Dennoch sind die Ergebnisse des arbeitgebernahen EcoAustria nicht unumstritten. Das Wifo beispielsweise hat - wie berichtet - erst kürzlich erhoben, dass die Industrie bei der Wettbewerbsfähigkeit nicht an Terrain verliere.

Der Anstieg der Lohnstückkosten verlaufe ähnlich wie bei den wichtigsten Handelspartnern, heißt es beim Wirtschaftsforschungsinstitut. Kurzfristige Änderungen, so erläutert Wifo-Forscher Werner Hölzl, spiegelten meist konjunkturelle Schwankungen wider. (as, DER STANDARD, 23.4.2015)

  • Einer neuen Studie zufolge verliert Österreich an Wettbewerbsfähigkeit.
    foto: imago

    Einer neuen Studie zufolge verliert Österreich an Wettbewerbsfähigkeit.

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