Geplanter Anschlag auf Pariser Kirche: Blutspur überführte Attentäter

22. April 2015, 17:23
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In Frankreich ist ein Jihadist vor einem Attentatsversuch zufällig verhaftet worden. Zuvor hatte er eine Frau erschossen

Frankreich ist knapp einem neuen Terroranschlag entronnen. Ein 24-jähriger Informatikstudent wurde im Pariser Vorort Villejuif verhaftet, kurz bevor er einen Anschlag auf eine Kirche verüben konnte. Der Algerier Sid Ahmed Ghlam ging der Polizei nur durch einen tragischen Vorfall ins Netz: Wohl beim Versuch, ein Fahrzeug zu entwenden, erschoss der Täter am Sonntagmorgen die 32-jährige Fitnesslehrerin Aurélie Châtelain aus Nordfrankreich. Ihr gewaltsamer Tod war seither ungeklärt geblieben.

Nach Polizeierkenntnissen schoss sich der Täter aber bei dem Raubüberfall selbst ins Bein. Er steckte das Fahrzeug in Brand und versuchte darauf seine Wohnung im nahen 13. Stadtbezirk von Paris zu erreichen. Da er viel Blut verloren hatte, musste er aber eine Ambulanz herbeirufen. Als die Polizei danach der Blutspur auf dem Trottoir folgte, entdeckte sie Ghlams eigenes Auto – und darin eine geladene Kalaschnikow, eine schussbereite Polizeipistole und Dokumente über Kirchen in Villejuif.

Zeittabellen angelegt

Im Fahrzeug der erschossenen Französin stellte die Polizei DNA-Spuren des Täters sicher. In seiner Wohnung stieß sie sodann auf Dokumente der Terrorgruppen Al-Kaida und IS. Es fanden sich auch Zeittabellen mit Angaben, wie lange die Polizei bis zum Eintreffen an einem Tatort braucht.

Vor allem zeigte sich, dass Ghlams Name auf der sogenannten "Sicherheitsliste" des französischen Inlandsgeheimdienstes DGSI steht: Der Verhaftete soll 2014 und 2015 versucht haben, in den Jihad nach Syrien zu reisen.

Von Syrien aus engagiert

Pressemeldungen, wonach der Verhaftete anfangs dieses Jahres eine Woche in der Türkei gewesen sei, wollte Staatsanwalt François Molins am Mittwoch nicht bestätigen. Hingegen erklärte er, die Auswertung von Telefongesprächen habe ergeben, dass der Täter von Syrien aus telefonisch zum Anschlag auf eine Kirche in Frankreich angesetzt worden sei. In der ostfranzösischen Provinzstadt Saint-Didier, wo die algerischen Eltern des Verhafteten leben, verhaftete die Polizei am Mittwoch eine Frau, deren Identität nicht bekanntgegeben wurde.

Regierungssprecher Stéphane Le Foll stellte jedes Versagen der Behörden in Abrede: Es sei schlicht unmöglich, alle Jihad-Reisenden oder -Reisewilligen in Frankreich zu überwachen, meinte er; abgesehen davon habe der Verhaftete keinen Attentatsverdacht geweckt.

Kritik an Polizei

Schon bei den Anschlägen auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" und den jüdischen Supermarkt in Paris von Anfang Januar war Kritik laut geworden, die Polizei habe die ihr bekannten Radikalislamisten zu wenig genau überwacht. Ein neues Geheimdienstgesetz, das demnächst ins französische Parlament kommen soll, erweitert die Befugnisse der Ermittler massiv. Die Grüne Partei und andere Gegner dieses Gesetzes wenden ein, es hätte die "Charlie Hebdo"-Anschläge auch nicht verhindern können.

In Frankreich gilt nach den Charlie-Anschlägen weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Staatspräsident François Hollande rief seine Landsleute angesichts dieses neuen Attentatsversuchs zur "Einheit" auf. (Stefan Brändle, derStandard.at, 22.4.2015)

  • In diesem Krankenhaus hielt sich der Attentäter auf, nachdem er sich am Sonntag selbst ins Bein geschossen hatte.
    foto: apa/epa/valat

    In diesem Krankenhaus hielt sich der Attentäter auf, nachdem er sich am Sonntag selbst ins Bein geschossen hatte.

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