Deutschland: Gewehr-Mängel sollen seit 2012 bekannt gewesen sein

22. April 2015, 17:02
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Verteidigungsministerin von der Leyen mustert G36-Gewehre in aktueller Variante aus

"Dieses Gewehr, so wie es konstruiert ist, hat keine Zukunft in der Bundeswehr." Mit diesen Worten hat die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestags das Aus für das in die Kritik geratene Standardgewehr der Bundeswehr (G36) angekündigt.

Bei der deutschen Truppe sind derzeit rund 170.000 dieser Sturmgewehre, hergestellt von der baden-württembergischen Waffenschmiede Heckler & Koch, in Gebrauch. Nachdem es Beschwerden über die Treffergenauigkeit bei Hitze gegeben hatte, beauftragte von der Leyen Experten mit der Untersuchung. Deren Ergebnis: Wird das Gewehr heiß - entweder durch hohe Außentemperaturen oder durch massiven Einsatz -, dann kann es nicht mehr exakt treffen.

Rascher Austausch

Offen ist zurzeit aber noch, ob das Gewehr gar nicht mehr zu den Bundeswehrbeständen zählen soll, oder ob dies in einer veränderten Form doch noch möglich sein könnte. Spezialkräfte und Soldaten im Auslandseinsatz werden jedoch rasch eine andere Waffe bekommen. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, fordert generell zügigen Ersatz. Es dürfe nicht zehn Jahre dauern, bis die Waffen ausgetauscht seien.

Doch der Druck auf von der Leyen lässt nicht nach. Deutsche Medien berichten, dass Mängel beim G36 schon im Jahr 2012 bekannt gewesen seien. So sei von der Leyens Vorgänger Thomas de Maizière (heute Innenminister) in einer Vorlage an ihn persönlich über die Präzisionsprobleme informiert worden. Die Vorlage vom 23. März 2012, die de Maizière abgezeichnet habe, decke sich mit den Ergebnissen jener Untersuchung, die nun vorliegt.

Probleme im Gefecht

Das Phänomen der Ausweitung des Streukreises und der abnehmenden Trefferwahrscheinlichkeit bei einer heißgeschossenen Waffe stelle "aus militärischer Sicht einen erheblichen Mangel" dar, zitierten dieSüddeutsche Zeitung und Spiegel online aus einem internen Papier des Verteidigungsministeriums. Es ist von "erheblicher Einsatzrelevanz" die Rede, da Soldaten im Gefecht den Gegner auf 200 Meter nicht mehr sicher bekämpfen könnten.

Dennoch seien danach noch 3770 neue Gewehre angeschafft worden. Von der Leyen übernahm das Verteidigungsressort im Dezember 2013. Linke und Grüne wollen nun im Verteidigungsausschuss de Maizière anhören. Der ließ am Mittwoch erklären, dass er "aktuell" nicht plane, sich zu äußern. Er wäre nicht verpflichtet zu kommen - in einen Untersuchungsausschuss aber schon. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 23.4.2015)

  • Thomas de Maizière und Ursula von der Leyen unter Druck.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Thomas de Maizière und Ursula von der Leyen unter Druck.

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